Verfilzt und zugenäht

Franz Alt, Jahrgang 1938, moderierte viele Jahre das TV-Magazin Report.

Stargast der Klimatage war der Fernseh-Journalist und Fachmann für erneuerbare Energien Franz Alt. Vor seinem Vortrag sprach er mit Kai A. Struthoff.

Herr Alt, haben Sie das Gefühl, dass das Umweltbewusstsein in der Gesellschaft steigt?

Franz Alt: Wenn ein konservativer Umweltminister wie Norbert Röttgen sagt, bis 2050 ist die Energie in diesem Land zu 100 Prozent erneuerbar, dann sehe ich, dass das, was ich seit 20 Jahren erzähle, Früchte trägt. Wir haben einen parteiübergreifenden Konsens, dass den erneuerbaren Energien die Zukunft gehört. Das freut mich sehr. Aber ich wünschte mir natürlich, dass wir keine längeren Laufzeiten für Atomkraftwerke und keine neuen Kohlekraftwerke bekämen.

Aber genau das ist doch jetzt zu befürchten?

Alt: Das ist das Argument von der Brückentechnologie. Wer Bescheid weiß, hat längst begriffen, dass die Brücke nicht so lang sein muss, wie manche Konservative sie vermuten. Das wissen auch Frau Merkel, die CDU und die ökologisch unsensiblen Liberalen. Wir brauchen keine längeren Laufzeiten der Atomkraftwerke und keine neuen Kohlekraftwerke. Wenn heute schon zwei deutsche Großstädte, Kassel und Nürnberg, nur noch Ökostrom verkaufen, dann wird klar: Die Perspektive, in 40 Jahren ganz Deutschland mit Strom aus erneuerbaren Energien zu versorgen, ist kein Wunschdenken, sondern Realität.

Bei Veranstaltungen wie den Klimatagen, sieht man nur wenige junge Leute. Warum?

Alt: Ich war bei der letzten großen Anti-AKW-Demonstration in Berlin. Da waren sehr viele junge Leute. Da war ich überrascht. Aber Energiesparen am Haus interessiert eben vor allem ältere Leute, die meisten Investitionen kommen von Menschen zwischen 50 und 70 Jahren. Die Politik muss auch für jüngere Bauherren Anreize schaffen, in Energie sparende Technologien zu investieren.

Aber diese Anreize werden doch jetzt zurückgedreht?

Alt: Wir brauchen nicht unbedingt die Einspeisevergütung. Wenn sie zurück geht, dann werden die Module billiger. In zwei Jahren brauchen wir keine Subventionen mehr. Dann ist der Strom vom eigenen Dach billiger als der Atomstrom aus der Steckdose.

Sie sind Hobby-Zauberer. Was würden Sie gern herbeizaubern?

Alt: Ich würde dafür sorgen, dass wir nicht 2050, sondern schon 2030 100 Prozent erneuerbar sind. Dafür muss man nicht mal zaubern können, sondern nur nachdenken. Wenn ich höre, was Roland Koch gegen Windenergie in Hessen sagt, dann weiß ich: Herr Koch ist ein Hampelmann der Atomwirtschaft. Er ist abhängig von der Atomindustrie. Verfilzt und zugenäht!

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