Bunga Bunga Bavaria: Comödie Fürth gastierte mit Heißmann und Rassau in Bad Hersfeld

Vom Verfall der Moral

Donnernder Applaus für das Ensemble der Comödie Fürth mit„Bunga Bunga Bavaria“: Saskia Huppert, André Sultan-Sade, Sabrina Anderlik, Volker Heißmann, Martin Rassau, Judith Pfistner, Gernod Endemann und Sabine Schmidt-Kirchner (von links). Foto: Schmidl

Bad Hersfeld. Bunga Bunga – waren es nicht die amourösen Abenteuer von Italiens ehemaligem Ministerpräsidenten, die so umschrieben wurden? Aber wer ist Berlusconi gegen Kabinettsmitglied Florian Hammer (Volker Heißmann), der sich anschickt, neuer bayerischer Ministerpräsident zu werden. Sein Moralprogramm schlägt ein wie eine Bombe.

Die turbulente Boulevardkomödie des englischen Autors Michael Parker wurde zunächst von Hagen Horst ins Deutsche übertragen. Von Volker Heißmann, der in diesem Stück erstmals die Regie führt, stammt die fränkische Bearbeitung.

Die große Bad Hersfelder Fangemeinde der aus dem Musikanenstadl bekannten Spaßmacher Heißmann und Rassau (Waltraud und Mariechen) wurde am Montag in der voll besetzten Stadthalle Zeuge des Verfalls von Anstand, Sitte und Moral. Betty Wehrfritz (Sabine Schmidt-Kirchner) vom Fränkischen Tagblatt konfrontierte Florian Hammer vorab bei der Pressekonferenz mit den Gerüchten, dass er es mit der Treue nicht so genau nimmt. Natürlich sind die Vorwürfe der Presse haltlos. Wirklich?

Ton abstellen

Hammers Ehefrau ist über das Wochenende verreist, seine liebestolle Geliebte Veronica ist verhindert, deshalb ruft der Möchtegern-Minister beim BKA an. Die Bayerische Kontaktagentur schickt Fiona (Sabrina Anderlik) vorbei, bei der nicht nur Florian Hammer, sondern auch das Publikum von der ersten Minute an den Ton abstellen möchte. Aus Versehen verführt sie ausgerechnet den begriffsstutzigen Landtagsabgeordneten Hans Froschauge (Martin Rassau), der zufällig im Haus der Eheleute Hammer weilt und sich fortan an nichts mehr erinnern kann.

Hammers überaus korrekter politischer Mentor Paul Maul (Gernod Endemann) taucht an dem Abend auch noch auf, genau wie die Trulla vom Tagblatt und ein diensteifriger Polizist (André Sultan-Sade) auf der Suche nach rosafarbenen Flamingos im Garten. Das ergibt natürlich Verwechslungen und verfängliche Situationen ohne Ende, denn auch Veronica (Saskia Huppert) mit dem merkwürdigen Dialekt hat ihre Pläne geändert, verbringt aber den Abend mehr unter als im Bett.

Die Gäste verstecken sich wechselweise in der Küche, im Schrank und unter Decken und fallen dem dusseligen Polizisten beim Sicherheitscheck im ganzen Haus noch nicht einmal durch ihre überlangen Beine auf. Spargelstange, Honigbärchen, das Rhönschaf in Strapsen und der „Engel der Barmherzigkeit“, der für hilfsbedürftige Bad Hersfelder Hoteliers sammelt, werden von der unvermutet auftauchenden Gattin Laura Hammer (Judith Pfistner) in große Not gebracht.

Pointen-Feuerwerk

Die Erkenntnis, dass Diskretion das Wichtigste ist, was man in der Politik lernen muss, macht noch keine Polit-Satire aus. Ein spielfreudiges Ensemble, das die Doppelmoral so mancher Volksvertreter aufs Korn nimmt und ein wahres Pointen-Feuerwerk abschießt, garantiert aber einen unterhaltsamen Abend, bei dem kein Auge trocken bleibt. Donnernder Applaus für Heißmann und Rassau mit ihrer unvergleichlichen Mimik und Gestik und alle Mitwirkenden.

Von Gudrun Schmidl

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