Geschäftsmann wird vorgeworfen, Anzahlungen von Kunden veruntreut zu haben

Verfahren vor dem Schöffengericht: Keine Küche fürs Geld

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Bad Hersfeld. Vor dem Schöffengericht in Bad Hersfeld muss sich der 45 Jahre alte Betreiber eines ehemaligen Bad Hersfelder Küchenfachgeschäfts verantworten. Vorwurf: Er soll Anzahlungen von Kunden unterschlagen haben.

Die Staatsanwaltschaft Fulda wirft dem 45-Jährigen vor, im Jahre 2013 in mehreren Fällen den jeweils halben Preis für maßgeschneiderte Leicht-Küchen von den Kunden als Anzahlung gefordert und kassiert, die Küchen selbst aber bei Leicht nie in Auftrag gegeben zu haben. Grund: Der Geschäftsmann aus Bielefeld war bereits in Zahlungsschwierigkeiten und hätte die Küchen nur nach Vorkasse erhalten.

Jetzt interessiert sich das Gericht für den genauen Zeitpunkt, ab wann er selbst seine Probleme realisiert hat. Und was mit dem Geld passiert ist. Der Angeklagte gab vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Michael Krusche an, die Einnahmen seien auf das Geschäftskonto geflossen und davon immer wieder Aufträge beglichen worden. Selbst habe er sich nicht bereichert.

Mit auf der Anklagebank saß gestern im Amtsgericht Bad Hersfeld auch die 41 Jahre alte Lebensgefährtin des Geschäftsmanns. Sie hatte ihrem Partner überhaupt erst den Weg in die Selbständigkeit ermöglicht. Das Geschäft in Bad Hersfeld lief auf ihren Namen, da ihr Lebensgefährte von den Banken als nicht kreditwürdig eingestuft wurde. So hatte er 13 Schufa-Einträge. Die dort aufgelaufenen Schulden in Höhe von 27 000 Euro seien ebenfalls über einen neu aufgenommenen Kredit abgetragen worden.

Überhaupt habe sich sein Leben komplett verändert, nachdem er 2007 seine heutige Partnerin kennengelernt hatte. Bis dahin lebte der Sohn eines ehemals bekannten Küchenfabrikanten in Saus und Braus. So habe zu seinem 19. Geburtstag der erste Porsche auf dem Hof gestanden. Im Betrieb des Vaters erlernte er den Beruf des Industriekaufmanns und entwickelte seine Verkaufsleidenschaft in der Küchenbranche.

Nach der Insolvenz des väterlichen Imperiums im Jahre 1999 sei er abgestürzt. Zweimal musste er wegen Alkoholfahrten seinen Führerschein abgeben. Vorbestraft ist er laut Richter Krusche auch. So verkaufte er 2006 in Hannover Küchen. Und weil er für sein Empfinden dafür von seinem Chef zu schlecht bezahlt wurde, unterschlug er Anzahlungen von Kunden. Das gleiche Delikt, was ihm nun von Staatsanwalt Leitschuh vorgeworfen wird.

In die Region um Bad Hersfeld verschlug es den Bielefelder, da sein Vater Kontakt zu einem Geschäftsmann in einer Landgemeinde hatte und diesem sein Küchenpatent-System abgetreten habe. Für diesen Unternehmer habe er dann den Vertrieb übernehmen sollen. 120 Studios hätten zu seinen Kunden gezählt.

Jedoch habe sich die Idee, bei jedem dieser Geschäftskunden eine Ausstellungsküche zu installieren, aus Kostengründen recht schnell wieder zerschlagen. Der 45-Jährige versuchte daraufhin in Bad Hersfeld selbst sein Glück in der Küchenbranche. Die Verhandlung wird am 13. April ab 14 Uhr fortgesetzt.

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