Kundgebung in der Innenstadt

Verdi streikt bei Amazon in Bad Hersfeld

Sie waren kaum zu überhören und kaum zu übersehen: die etwa 500 „Amazonier“, die sich gestern Vormittag mit Trillerpfeifen, Transparenten und Fahnen den Weg durch die Innenstadt Bad Hersfelds bahnten.

Die Gewerkschaft Verdi und die Beschäftigten fordern von dem Online-Versandhändler seit langem einen Tarifvertrag mit den Regeln des Einzel- und Versandhandels. Es geht um mehr Lohn, aber auch um Urlaubs- und Weihnachtsgeld. An beiden Standorten in Bad Hersfeld waren die Beschäftigten mit Beginn der ersten Frühschicht ab 6 Uhr zum Streik aufgerufen worden, gemeinsam ging es zunächst zur Schildehalle, die als Streiklokal diente, und dann durch die Bad Hersfelder Innenstadt zum Lullusbrunnen, wo Verdi vor dem Rathaus eine Kundgebung organisiert hatte. Als eine „Warnung an den Arbeitgeber“ bezeichnete Verdi-Landesbezirksleiter Jürgen Bothner den Streik.

„Wir lassen nicht alles mit uns machen“, gab er sich kämpferisch und erntete lauten Beifall. Zu den Streikenden sprachen gestern auch Vertreter des Deutschen Gerwerkschaftsbundes (DGB), der Post und der Partei „Die Linken“. Ihre Streik-Bereitschaft hatten die gewerkschaftlich organisierten Amazon-Beschäftigten bei einer Urabstimmung Ende April signalisiert. 97,6 Prozent hatten sich für Arbeitsniederlegungen ausgesprochen. Auch am Amazon-Standort Leipzig wurde gestern erstmals gestreikt. „Das ist ein gelungener Auftakt“, freute sich die Verdi-Sekretärin Mechthild Middecke. Mit insgesamt über 1000 Beteiligten der Früh- und Spätschicht sei die Streikbereitschaft in Bad Hersfeld sehr hoch gewesen. Verdi erwarte aber nicht, dass Amazon schnell einlenken werde; weitere Streiks seien deshalb nicht auszuschließen, aber nur die letzte Möglichkeit.

Amazon sieht weiterhin keine gemeinsame Basis für Verhandlungen, Folgen für die Kunden hätte der Streik nicht.

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