Streik in den Bad Hersfelder Werken?

Verdi-Mitglieder bei Amazon müssen entscheiden

Bad Hersfeld. Ein rotes Schild vor den Toren Amazons zeigt es an: Urabstimmung. Auf der Rückseite steht: Streik. Soweit ist es noch nicht, aber ihre Bereitschaft zum Arbeitskampf haben am ersten Tag der von Verdi organisierten Urabstimmung bereits einige Beschäftigte erklärt.

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ruft ihre Mitglieder bei der Amazon Logistik GmbH Bad Hersfeld seit Montag zur Teilnahme an einer Urabstimmung auf. Verdi fordert von Amazon die Anerkennung des Tarifvertrags für den Einzel- und Versandhandel Hessen, und damit mehr Geld. Der Online-Versandhändler orientiert sich an der Bezahlung der Logistikbranche. Bei einem Tarifgespräch mit der örtlichen Geschäftsführung Anfang April hatte Amazon mitgeteilt, derzeit nicht zu Verhandlungen bereit zu sein. Verdi hatte daraufhin eine Protestaktion organisiert.

Am Amazon-Werk Eichhof standen die Verdi-Vertreter am Montag bereit, um die „Amazonier“ mit Stimmzetteln und Infobroschüren zu versorgen. Auch heute können die gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten dort noch ihre Stimme abgeben, am Donnerstag und Freitag sind die Mitarbeiter im Werk an der Amazonstraße zur Abstimmung aufgerufen. Von 12 Uhr bis nachmittags sind die Verdi-Vertreter vor Ort, um möglichst allen Beschäftigten mit verschiedenen Schichten die Teilnahme zu ermögliche. „Wir werden alle erreichen, die wir erreichen wollen“, teilte der örtlich zuständige Gewerkschaftssekretär Manuel Sauer mit.

75 Prozent aller Mitglieder müssten laut den internen Verdi-Richtlinien ihre Streikbereitschaft signalierien, um einen Arbeitskampf anzustoßen. „Wir rechnen mit einer deutlichen Zustimmung“, so Sauer und seine Kollegin Mechthild Middeke, auch mit Blick auf die Urabstimmung in Leipzig. Am dortigen Amazon-Standort hatten sich zuletzt 97 Prozent der teilnehmenden Gewerkschaftsmitglieder für Arbeitsniederlegungen ausgesprochen.

Mit einem Ergebnis wird für Sonntagabend beziehungsweise Montag gerechnet; am Sonntag trifft sich die Tarifkommission und dann werden auch die Stimmen ausgezählt. Zusätzlich zu den Stimmzetteln, die an den beiden Amazon-Werken in Bad Hersfeld ausgefüllt wurden, kommen noch einige wenige Briefwahlunterlagen.

Am Montag, 29. April, wird auch SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück Amazon besuchen. (nm)

Archivbilder vom jüngsten Warnstreik

Verdi-Warnstreiks bei Amazon in Bad Hersfeld

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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