Gewerkschaft will Tarifvertrag – Manager nennt erstmals Zahlen

Verdi droht Amazon mit Arbeitskampf

Hersfeld-Rotenburg. Die Gewerkschaft Verdi droht dem Internethändler Amazon unverhohlen mit Streiks im wichtigen Weihnachtsgeschäft. „Wir sind bereit für einen Arbeitskampf“, kündigte Gewerkschaftssekretärin Mechthild Middeke bei einer Diskussionsveranstaltung in Bad Hersfeld an. Dort hatte sich mit Armin Cossmann erstmals ein Top-Manager von Amazon einer öffentlichen Diskussion gestellt und dabei auch Unternehmens-Zahlen genannt. Er war von Amazon-Mitarbeitern mit Protest-Plakaten empfangen worden.

Die Gewerkschaft möchte erreichen, dass Amazon den Einzelhandelstarifvertrag übernimmt. Derzeit verdiene nach Verdi-Angaben eine Saisonkraft 1573 Euro brutto als Einstiegsgehalt. Picker und Packer erhalten nach einem Jahr 1812 Euro brutto monatlich. Nach Einzelhandelstarif würden diese Mitarbeiter dann 1985 Euro verdienen, rechnete Middecke vor. Sie kündigte die Bildung einer Tarifkommission an. „Bad Hersfeld hat einen sehr aktiven Betriebsrat“, zeigte sie sich kämpferisch.

Amazon-Manager Cossmann nannte andere Zahlen. „Der Umsatz bei Amazon steigt, aber nicht die Gewinne“, machte er klar. Cossmann verwies darauf, dass sich die Gehälter bei Amazon aus Grundlohn, Prämie und Aktien zusammensetzten, was zusammen etwa 2000 Euro pro Monat ergebe. „Wir berücksichtigen bei unserem Lohn immer die lokalen Entwicklungen und nehmen entsprechende Anpassungen vor“, sagte Cossmann.

Zudem nannte Cossmann, der für die Logistikzentren in Bad Hersfeld, Leipzig und Pforzheim verantwortlich ist, erstmals öffentlich Zahlen zu den Standorten in Bad Hersfeld. Insgesamt sind hier über 4000 Mitarbeiter beschäftigt, zwei Drittel davon unbefristet. Im vergangenen Jahr seien 1300 Mitarbeiter nach dem Weihnachtsgeschäft übernommen worden.

Auch in diesem Jahr will Amazon wieder über 3000 Saisonkräfte für das Weihnachtsgeschäft einstellen – und so viele davon wie möglich aus der Region. Zum TAge, Seite 2

Von Kai A. Struthoff

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