Kriminell am Computer: Waren- und Kreditbetrug sind auf dem Vormarsch

Verbrecherjagd im Internet

Bad Hersfeld. Der Polizeibeamte von heute jagt Verbrecher im weltweiten Netz. Zum Beispiel jenen Mitarbeiter einer Logistikfirma in unserem Kreis, der sich rund 700 Elektroartikel aus dem Sortiment seines Arbeitgebers nach Hause schicken ließ, um sie von dort via E-Bay im Internet zu verticken.

„Es ist ganz schön schwierig, solche Fälle zu bearbeiten“, erklärt der Leiter der Polizeistation Bad Hersfeld, Klaus Troch, denn es gehe um Personaldiebstahl, Betrug und Hehlerei – und das theoretisch weltweit. Doch auch dieser Ganove wurde dank eines eigens auf Online-Kriminalität spezialisierten Kommissariats geschnappt.

Erstmals ist jetzt die Zahl der Vermögens-, Betrugs- und Fälschungsdelikte höher, als die Zahl der Diebstähle. Sie machen zudem rund 60 Prozent der geldwerten Schäden aus. Insgesamt entstand 2009 durch Raub, Diebstahl und andere Vermögensdelikte im Kreis Hersfeld-Rotenburg ein Schaden von fast 4,8 Millionen Euro.

Dank besserer Ausbildung und Ausstattung können die Beamten immer mehr Fälle aufklären. „Die Spurensicherung wird immer besser, und wir produzieren dabei nicht nur Masse, sondern klasse“, sagt Kriminaloberrat Dieter Willhardt. Dadurch gelingen den Beamten oft nach Jahrzehnten Ermittlungserfolge, die damals keiner für möglich gehalten hatte. So etwa im Fall der bei Neuenstein ermordeten Kerstin Scheib, deren Täter jetzt durch DNA-Spuren überführt und verurteilt werden konnte.

Während die Polizeiarbeit auf immer neue Felder ausgedehnt wird, nehmen die klassischen Straftaten weiter ab. So gab es im Bereich der Polizeistation Bad Hersfeld laut Klaus Troch im Jahr 2009 nur zwölf Fälle von Straßenraub. Polizeipräsident Sauer spricht in diesem Zusammenhang sogar von „Marginalien“.

Sorgen bereitet den Beamten hingegen, dass sie selbst immer wieder Opfer von Gewalt werden. So gab es in 2008 im Bereich des Präsidiums Osthessen 30 Fälle von Widerstand gegen die Polizei, meistens standen die Täter dabei unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen.

Von Kai A. Struthoff

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