Weisheiten aus dem Öl-Auslieferungs-Lager von Kurt Günther

Verbrauch im zweiten Drittel

Bad Hersfeld. Gut eingedeckt haben sich die Verbraucher vor dem Winter mit Heizöl. Bei den heimischen Händlern geht man davon aus, dass die Eigenheimbesitzer und Vermieter durchschnittlich noch einen Füllstand von 60 Prozent in den Tanks haben. Einige andere haben ihren Vorrat aufgebraucht und geben bei den Händlern Alarmbestellungen auf.

Dennoch ist auch beim Bad Hersfelder Mineralölgroßhändler Kurt Günther an der Konrad-Zuse-Straße die Auftragslage gut.

„Wer noch halb voll hat, sollte jetzt tanken.“

Maik Reinhardt, Ölverkäufer

Je nachdem, welchen Umfang die Bestellungen haben, rückt Auslieferungsfahrer Heiko Newald täglich zu zwölf bis 15 Kunden aus. Notfalls auch zu Anrufern, die ihren Öl-Pegel nicht im Blick hatten und Leerstand haben. „Manchmal muss man die Leute schon daran erinnern, in den Keller zu gehen“, sagt Maik Reinhardt. Einige seiner Kunden warten im wahrsten Sinne des Wortes bis auf den letzten Drücker. So mussten Knall auf Fall 2000 Liter nach Niederaula gebracht werden.

13000 Liter, also 13 Kubikmeter, fasst der Tankwagen. Weil das Heizöl als Gefahrgut eingestuft ist, darf Fahrer Heiko Newald nicht bei spiegelglatten Straßen ausrücken. Zur Not ist er in dieser Saison später gestartet. Rausgefahren sei er nur einmal nicht. Zu einem Haus am Giegenberg konnte Heiko Newald nur vordringen, weil der Sohn der Besitzerin fünf Sack Streusalz ausgebracht hatte.

„Das ist heute noch die am besten geräumte Strecke in Bad Hersfeld“, freut sich das Team von Kurt Günther. 20mal soviel Öl, also 240 000 Liter Heizöl könnten Thorsten Radloff und seine Mitarbeiter an der Konrad-Zuse-Straße horten. Tun sie aber nicht. Sie lagern nur ein, was Kunden vorher bestellt haben. Jede Aktion Eichhörnchen gliche einer Investition in totes Kapital.

Beim Heizölpreis spiele nicht die Härte des Winters eine Rolle, sondern das Verhältnis von Angebot und Nachfrage erklärt Verkäufer Maik Reinhardt. Börsianer spielten eine größere Rolle als Temperaturgrade. Und es sei eine Weisheit in der Branche, dass das Öl im Winter billiger sei, als im Sommer.

Das rührt von den Konzernstrategien her. Produzieren die Raffinerien mehr Diesel und Vergasertreibstoff für die Hauptreisezeiten, wird der Rohstoff Öl knapper und teurer. Weil in der kalten Jahreszeit weniger gefahren wird, werden Orakel von der Börse an die Verbraucher ausgesandt. Motto: „Die Indianer sammeln schon Holz, das wird bestimmt ein strenger Winter.“

Kommentare