Wochenendportrait: Klinikum-Verwaltungsdirektor Heino Stange geht in Ruhestand

Der verbindliche Preuße

Zwei, die einander geprägt haben: Heino Stange und das Klinikum Bad Hersfeld gehören irgendwie zusammen, und dabei hält es der morgen 65 Jahre alt werdende Friedloser am liebsten mit Loriot: „Eine Leben ohne Klinikum ist möglich, aber sinnlos.“ Foto: Apel

BAD HERSFELD. So komplett aufgeräumt ist sein Büro noch nicht. Vielleicht kann er auch noch nicht ganz von dem lassen, was ihn seit bald 40 Jahren umgibt: Von den Zahlen und Menschen des Bad Hersfelder Klinikums, dessen Profilierung zum Krankenhaus der Schwerpunktversorgung und zum Lehrkrankenhaus er maßgeblich mitgestaltet hat. Aber morgen wird Heino Stange 65 Jahre alt und da heißt es Abschied nehmen.

Auftrag erfüllen

Viele der Aktendeckel, die in seinem Büroschrank stehen, sind von Hand beschrieben, ein kleiner Stapel hier, Klarsichthüllen dort – das Büro des Prokuristen und zweiten Mannes des Krankenhausmanagements ist bescheiden. Fast schon von der Stange. Ledersessel Fehlanzeige, Designerlampe ebenfalls. Eine einfache Gelenklampe tut es auch. Aber wenn man ihn nach etwas fragt, ist er um eine Antwort nicht verlegen. Oder er schlägt nach, kümmert sich. Irgendwie ein Preuße. Irgendwie kommt bei ihm auf freundliche Weise zum Ausdruck, was ihm sein Vorgänger und Lehrmeister Georg Sust eingeimpft hat: „Die Verwaltung hat ihren Auftrag zu erfüllen … und sich zu bescheiden!“

Der Reiloser Sust war es, der 1973 im Rechnungsprüfungsamt des Landratsamts anrief und den damals 26 Jahre alten Friedloser fragte, ob er nicht im Kreiskrankenhaus arbeiten wolle: „Ich brauche jemanden, der mir bei der Erstellung der Eröffnungsbilanz hilft!“ Stange überlegte nicht lange

„Unglaublich spannende Zeiten“ begannen. Das Krankenhausfinanzierungsgesetz, das einheitliche Rahmenbedingungen für die Versorgung der Menschen festlegte – die Bundespflegesatz-Verordnung – die Krankenhausbuchführungs-Verordnung – all das wollte umgesetzt werden und sorgte für viel Arbeit für den sogleich als Leiter des Rechnungswesens tätigen Stange. Noch heute hat er im Kopf, dass das KKH mit 3,6 Millionen DM Eigenkapital startete.

Als dann ab 1993 diskutiert wurde, das beim Landkreis als Eigenbetrieb geführte Kreiskrankenhaus in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) umzuwandeln, brachte das erneut viel Arbeit mit sich. Aber auch einen Karrieresprung: Mit Wirkung vom 1. Januar 1996 wurde der verheiratete Vater von zwei Kindern zum Verwaltungsdirektor der frisch gegründeten GmbH ernannt. „Die Entscheidungswege waren ab da sehr viel kürzer“, erinnert er sich, „was vorher noch vom Kreisausschuss abgesegnet werden musste, konnten wir jetzt selbst entscheiden.“

Kein Zuschuss

Aus dem KKH wurde das Klinikum mit inzwischen 18 Hauptabteilungen, aus der GmbH ab 2005 ein kleiner, aber erfolgreicher Konzern mit immer neuen Töchtern, der im Gegensatz zu vielen anderen kommunalen Krankenhäusern seit 1975 auf keinerlei Betriebskostenzuschuss seiner Kommune angewiesen war.

Bei baulichen Investitionen hat der Kreis allerdings immer geholfen, betont Stange, und er führt dies insbesondere auf die gute Kommunikation zwischen den Verantwortlichen zurück. Dabei sieht er sich durchaus als Mediator – als einer, der verbindet.

Von Wilfried Apel

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