Finanzierung für „Dialog“ noch nicht gesichert

Verantwortung übernehmen

Der Diplom-Pädagoge und Deeskalations-Trainer Christoph Lyding berät in der Fachstelle „Dialog“ Männer, die Probleme mit häuslicher Gewalt haben. Foto: Zacharias

Hersfeld-Rotenburg. Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg gibt es bereits, was die Landesregierung jüngst in ihrem Aktionsplan gegen häusliche Gewalt als wesentlichen Eckpunkt veröffentlicht hat: eine Beratungsstelle für Männer, die Gewalt ausüben oder selbst Opfer von Gewalt geworden sind.

Eingerichtet wurde die Fachstelle Dialog auf Initiative des Runden Tisches gegen häusliche Gewalt im Dezember 2009. Träger ist der Verein für psychosoziale Hilfen im Kreis Hersfeld-Rotenburg „die Brücke“.

Das Projekt ist durchaus erfolgreich. Der ausgebildete Deeskalationstrainer Christoph Lyding hat insgesamt 95 Beratungsgespräche geführt. Die Männer kamen teilweise auf Zuweisung des Amtsgerichts oder des Jugendamts zu ihm, teilweise auf Empfehlung anderer Beratungsstellen oder auch auf Druck der Partnerin. Sechs von ihnen nahmen an einem Gruppentraining teil und lernten, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen. Sie erkannten, was ihre persönlichen Aggressions- und Gewaltauslöser sind und erarbeiteten Möglichkeiten zum Aussteigen aus der Gewaltdynamik.

Die Arbeit der Beratungsstelle wird allgemein als vorbildlich begrüßt, sowohl von der Staatsanwaltschaft und vom Gericht als auch von der Polizei, dem Jugendamt und dem Verein „Frauen helfen Frauen“, der das Frauenhaus und eine Beratungsstelle in Bad Hersfeld betreibt.

Die Finanzierung ist jedoch nach wie vor nicht gesichert. Der Landkreis Hersfeld-Rotenburg beteiligt sich mit einer Anschubfinanzierung von 5000 Euro im Jahr, das Land Hessen mit 4000 Euro, weit weniger als angekündigt. Spenden, Zuweisungen und Ordnungsgelder bringen weitere Einnahmen, aber bei weitem nicht ausreichend, um den Gesamtkostenrahmen von etwa 23 000 Euro jährlich zu decken, erläutert Erwin Binkofski vom Vorstand der Brücke.

Auf Sparflamme

Obwohl der Verein zunächst nur eine Finanzierung für zwei Jahre zugesichert hatte, wolle „die Brücke“ die Beratungsstelle für ein weiteres halbes Jahr „auf Sparflamme“ weiterbetreiben. Länger könne der Verein sich das einfach nicht leisten, erklärt Binkofski. Er bedauert, dass das Land zwar Beratungsstellen wie „Dialog“ fordere, die Zuständigkeit für deren Finanzierung aber zwischen drei Ministerien hin- und hergeschoben werde. Künholz...

Von Christine Zacharias

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