Verzicht für Pädagogen keine Alternative

Der Verantwortung bei Fahrten bewusst

Ulrich Meiß

hersfeld-Rotenburg. „Noch mehr als bisher wird ein großes Stück Sorge mitfahren“, sagt Obersberg-Lehrer Ulrich Meiß, der mit 14- bis 20-jährigen Schülerinnen und Schülern in Chor und Blechbläserensemble Konzertreisen in alle Welt unternommen hat. „Wie meine Kolleginnen und Kollegen war und bin ich mir dabei der großen Verantwortung bewusst“, erklärt er. Der Badeunfall in der Toskana dürfe jedoch nicht den Verzicht auf außerschulische Lernorte zur Folge habe, meint Meiß.

Risiko gering halten

„Wir versuchen bei allen Veranstaltungen das Risiko so gering wie möglich zu halten – eine 100-prozentige Sicherheit wird es aber nie geben“, sagt Kreisjugenddiakon Matthias Becker von der Evangelischen Jugend des Kirchenkreises Hersfeld. „Wir machen das wie jeder gute Reiseveranstalter – die Veranstaltung muss auf die Zielgruppe abgestimmt sein, keiner darf überfordert werden“, erklärt Becker.

Die Gefahr, dass etwas passiere, sei für die Betreuer als ständiger Begleiter dabei und zudem stark abhängig von der Altersgruppe. Bei Kindern sei das nochmal etwas ganz anderes, als bei Jugendlichen. „Wir weisen die Jugendlichen zum Beispiel bei unseren Kanutouren eindringlich auf alle Risiken hin und geben ihnen klare Anweisungen, wie sie sich zu verhalten haben“, sagt Becker. Die Risiken für die Teilnehmer entstünden dann, wenn sie sich an die Ansagen und Warnungen nicht halten. „Wir als Betreuer können aber nur immer wieder durch klare Ansagen auf sie einwirken“, sagt der Kreisjugenddiakon.

Anstrengend für Lehrer

Abseits von Erlass-Regelungen empfinden Barbara Kolb und das Kollegium der Werratalschule Mitgefühl mit den Eltern des verstorbenen Schülers. „Wir sind tief betroffen“, sagt Kolb und fügt hinzu, dass auch die Lehrer in Heringen bei Fahrten „hoch sensibilisiert“ seien.

Das bestätigte auch Karl Weber, denn Lehrer könnten sich aus ihrer Verantwortung „nie herausziehen“. Vorwürfe habe man sich allerdings auch bei der bisherigen Verfahrensweise bei Klassen- und Tutorenreisen nicht machen müssen. Der Chef der Modellschule Obersberg machte allerdings auch deutlich, dass solche Fahrten für die Kollegen immer etwas besonders Anstrengendes seien.

„Wir haben eine kolossale Verantwortung, wenn wir uns auf Klassenfahrt begeben – und solch schreckliche Ereignisse wie in diesem Fall, verdeutlichen erst, wie gelungen eine Klassenfahrt ist, wenn alle gesund und munter wieder zurückgekehrt sind“, sagt Dr. Roland Kaplonek, stellvertretender Schulleiter der Rotenburger Jakob-Grimm-Schule. Das Urteil werde ja einen generellen Hinweis geben, wie Richter die Aufsichtspflicht für volljährige Schüler interpretieren: „Daraus muss es auch Konsequenzen geben, wie die Schule und die betreuenden Lehrer sich künftig verhalten und absichern können“, sagt Kaplonek. (ks/pgo)

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