Jugendschöffengericht Bad Hersfeld verurteilt Brüder aus Somalia wegen Betrugs

Bei der Vaterschaft gemogelt

Bad Hersfeld. Die lange Vorstrafenliste seines großen Bruders hatte sich ein 22 Jahre alter Somalier aus Bad Hersfeld nicht zur Warnung dienen lassen. Der Lagerarbeiter brachte ebenfalls eine ganze Reihe von Vorbelastungen mit, als er sich gestern vor dem Jugendschöffengericht verantworten musste. Die Anklage wegen versuchten Betrugs hatte er sich allerdings deswegen eingefangen, weil er dem Beispiel des Bruders in einem Punkt nicht folgen wollte: Der 23-Jährige muss von seinem schmalen Lohn als Lagerarbeiter auch noch Unterhalt für ein uneheliches Kind bezahlen.

Als der Jüngere im Herbst 2009 ebenfalls Vater wurde, sann er deshalb auf eine Möglichkeit, dieser Verpflichtung zu entgehen.

Als im Zuge der Vaterschaftsklage ein DNA-Gutachten erstellt werden sollte, gab der Somalier seinen Pass dem Bruder und schickte diesen ins Gesundheitsamt zum Schleimhaut-Abstrich.

Der Schwindel blieb zunächst unbemerkt, und das Gutachten fiel aus wie erhofft: Der Jüngere wurde als Kindesvater ausgeschlossen.

Pech für den Somalier, dass sich die Geschichte in den folgenden Wochen im Städtchen herumsprach. Als ihn die zuständige Richterin ein weiteres Mal in Sachen Vaterschaft vernahm, räumte er die List mit dem Bruder sofort ein.

Ihre Geständnisse wiederholten die Brüder gestern auch vor dem Jugendschöffengericht. Der Jüngere wurde – wie von Staatsanwalt Dominik Dute beantragt – wegen versuchten Betrugs unter Einbeziehung einer weiteren Strafe zu zehn Monaten Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt. Hinzu kommen 50 Stunden gemeinnützige Arbeit.

Jugendrecht wendete das Gericht mit seinem Vorsitzenden Dr. Rolf Schwarz deshalb an, weil der Somalier zur Tatzeit noch keine 21 Jahre alt war und sein Verhalten bis heute eher einem Jugendlichen gleicht als einem Erwachsenen. Das hatte der ausführliche Bericht der Jugendgerichtshilfe ergeben, für die Helmut Licht ein wohlwollendes Bild des Angeklagten zeichnete.

Beihilfe zum Betrug

Sein Bruder muss wegen Beihilfe zum Betrug eine Geldstrafe von 70 Tagessätzen je 20 Euro bezahlen. Das Urteil wurde im Einverständnis aller Beteiligten sofort rechtskräftig.

Von Karl Schönholtz

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