250 Dinge, die wir an der Region mögen (98): „10 Buchen“ und der „Wilde Stein“

Urzeit und Moderne

Der „Wilde Stein“ ist ein sichtbares Überbleibsel aus der vulkanischen Aktivität des Rimbergs. An der Autobahn weist der Name eines Rastplatzes auf die Besonderheit hin. Foto: Urban

BREITENBACH/H. In der Großgemeinde Breitenbach sind sie besonders den älteren Einwohnern noch ein Begriff: Die „10 Buchen“ und der „Wilde Stein“ in der Gemarkung Gehau. Alte Geschichten und eine Sage ranken sich um das Waldstück zwischen Rimberg und Herzberg.

„Die Buchen waren schon immer da“, sagt Georg Stiebing. „Schon vor dem Autobahnbau. Der begann 1936.“ Ob sie gepflanzt wurden oder sich selbst sämten, weiß niemand. Jedenfalls bildeten sie einen Kreis und „auf dem Platz in der Mitte wurde getanzt“, erinnert sich der 80-Jährige aus Gehau. Sein Vater arbeitete als Waldarbeiter der Familie von Dörnberg beim Abholzen der geplanten Autobahntrasse mit. Das Baumaterial wurde vom Ausladebahnhof Eifa hierher gebracht, zwischengelagert und mit Feldbahnloren zur Baustelle transportiert.

„Man sagt, dass sich Löcher im Boden aufgetan hätten, in denen die Loren samt Ladung verschwunden seien“, erzählt Heinrich Stiebing. Der Oberjossaer hat oft im Wald gearbeitet und kennt die Gegend genau. Er weiß auch, dass eine riesige Wasserader durch das Basaltgestein des Rimbergs verläuft, durch die solche Einbrüche im Boden ausgelöst werden können. „Ja“, bestätigt sein Namensvetter Georg, „aber es wurde auch Schindluder mit den Loren getrieben …“

Sage um einen Riesen

Welche Kraft das Wasser hat, erlebte der Gehauer im Winter 1939/40: „Es war sehr kalt. Zwischen den Buchen und dem Wilden Stein hatten Soldaten ihr Lager aufgeschlagen und das Gebiet um den Wilden Stein eingezäunt, weil Wasser und Eis Teile des Steins abgesprengt haben.“ Der Sage nach lebte ein Riese in dieser Gegend. Als er zu alt wurde, um mit einem Schritt vom Herzberg auf den Rimberg zu gelangen, legte er sich den Stein in die Mitte als Übergang. Und tatsächlich erinnert die Gesteinsform, aus dem richtigen Blickwinkel betrachtet, an einen Fußabdruck.

Wer die Relikte aus alten Zeiten in ihrer ganzen Schönheit erleben möchte, fährt durch Gehau in Richtung Alsfeld. Gleich hinter dem Ortsschild rechts führt ein Feldweg durch das romantische Wiesental am „Wolfsgraben“ zum Revier „Wilder Stein“.

Etwa auf halber Strecke zwischen Bundesstraße und Waldrand zweigt ein Weg nach links ab, den Hügel hinauf bis in den Wald oberhalb des Basaltfindlings. Auf dem Talweg geradeaus kommt man direkt zu der Baumgruppe am Waldrand. Von den ursprünglich zehn stattlichen Buchen stehen nur noch vier – und zwei abgebrochene. Ein Bach plätschert an ihnen vorbei durch das Tal.

Ein Stück in den Wald hinein sind Teiche, die, so Georg Stiebing, erst nach dem Autobahnbau entstanden sind. Sie veralgen langsam im Schatten der Buchen und Fichten. Etwas weiter, an einer Schonung, gabelt sich dann der Weg. Folgt man dem Abzweig bergauf und biegt oben links ab, kommt man auf dem vorher beschriebenen Weg oberhalb des Wilden Steins wieder aus dem Wald heraus.

Von Dagmar Urban

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