Mordversuch: Verteidiger kritisiert Strafkammer

Urteilsschelte und Antrag auf Revision

Bad Hersfeld. Harte Kritik am Urteil der ersten Strafkammer des Landgerichts Fulda im Prozess gegen einen 53-jährigen Hersfelder hat jetzt dessen Verteidiger Rechtsanwalt Jochen Kreissl geübt.

Der Familienvater war am Donnerstag wegen versuchten Mordes zu einer Freiheitsstrafe von elf Jahren und drei Monaten wegen der 15 Messerstiche, mit denen er seine Frau lebensgefährlich verletzt hatte, verurteilt worden (unsere Zeitung berichtete).

„Die Strafkammer hat völlig die Bodenhaftung verloren“, heißt es in einer Presseerklärung Kreissls, der gestern bereits eine Revision beim Bundesgerichtshof beantragt hat. „Ein völlig depressiver, bis dahin unbescholtener Familienvater rastet aus möglicherweise nachvollziehbaren Gründen aus und wird von der Kammer nun als brutaler, eiskalter Mörder im Rahmen der Urteilsbegründung dargestellt. Da vermissen wir nicht nur das nötige Einfühlungsvermögen, sondern auch die richtige Einordnung in strafrechtlicher Hinsicht“, argumentiert der Anwalt.

„Keine Tötungsabsicht“

Es habe von Anfang an keine Tötungsabsicht bestanden, schreibt Kreissl und weist darauf hin, dass das Strafmaß für einen versuchten Mord in diesem Fall höher liege als das Urteil beim kürzlich wiederholt verhandelten „Obdachlosen-Mord“. (ks/red)

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