Jugendschöffengericht bestraft  21-Jährigen aus Heringen mit Dauerarrest

Urteil ohne Weichspüler nach Messerattacke

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Bad Hersfeld. Zu einer Woche Dauerarrest, 800 Euro Wiedergutmachung und sechs Gesprächsterminen verurteilte das Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Bad Hersfeld einen 21-Jährigen aus Heringen, der mit einem Jagdmesser auf einen 17 Jahre alten Schüler losgegangen war, diesen verletzt und beleidigt hatte.

Damit lag das Gericht salomonisch zwischen den Anträgen von Staatsanwältin Christina Dern (ein Jahr Jugendstrafe auf Bewährung) und Verteidiger Christian Kusche (Verwarnung plus Geldauflage). Insbesondere mit Blick auf Letztgenannten machte die Vorsitzende Michaela Kilian-Bock deutlich, dass die Strafe „kein Weichspülen“ erlaube, weil sich der Angeklagte bis zum Ende der Verhandlung nicht mit seiner Tat auseinandergesetzt, weder Einsicht noch Reue gezeigt habe.

Stur festgehalten

Tatsächlich hatte der 21-Jährige entgegen aller Zeugenaussagen stur daran festgehalten, dass man ihn „Hurensohn“ genannt habe und dass dies der Auslöser für die Messer-Attacke gewesen sei.

Tatsächlich hatten die Dinge am späten Abend des 13. September 2014 ganz anders gelegen: Streit hatte es unter den Jugendlichen, die sich nahe des Heringer Sportplatzes zusammengefeunden hatten, wegen der Rivalität um ein Mädchen geeben. Doch der 17-Jährige und ein ein Jahr jüngerer Azubi hatten sich schon wieder vertragen, als sich der spätere Angeklagte einmischte, das Messer mit der 17 Zentimeter langen Klinge zückte und es dem Schüler mit den Worten „ich stech' dich ab“ an die Kehle hielt. Kurz darauf verpasste er ihm eine oberflächliche Schnittwunde am Arm.

Selbst die beiden Begleiter des unter Alkohol und Drogen stehenden Arbeiters riefen ihren Kumpel zur Mäßigung auf. Als der von dem Schüler abließ, eilte dieser mit seinen Freunden zum Feuerwehrhaus und bat einen Polizisten um Hilfe. Der stellte den Messerheld wenig später auf der Werrabrücke und musste sich ebenfalls unflätig beschimpfen lassen.

Etwas Fühlbares

Bei dem mehrfach, aber nicht einschlägig vorbestraften Angeklagten vermochte das Gericht zwar aktuell weder schädliche Neigungen noch die Schwere der Schuld festzustellen, so dass es für die Verhängung einer Jugendstrafe nicht reichte. Doch da der 21-Jährige die bisherigen Warnschüsse der Justiz entweder nicht gehört oder ignoriert hatte, musste „etwas Fühlbares“ herauskommen.

Die Geldauflage muss der Heringer in Raten an den Geschädigten bezahlen – es sei denn er geht gegen das Urteil in die Berufung.

Von Karl Schönholtz

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