Aufgrund der hohen Haftpflichtprämie machen Hebammen keine Entbindungen mehr

Unzählige Arbeitsstunden

Hersfeld-Rotenburg. Wer bei Esther Frost anruft, muss Glück haben. Denn die freiberufliche Hebamme macht nur zwei Geburten pro Monat. „Im August musste ich vielen Frauen absagen, denn eine Vertretung gibt es nicht“, erzählt Esther Frost.

Sie ist eine von drei freiberuflichen Hebammen im Kreis, die noch bei der Entbindung helfen. Und das geht auch nur, weil sie zusätzlich als Beleghebamme arbeitet. Viermal im Monat macht sie im Krankenhaus in Eschwege einen 24-Stunden-Bereitschaftsdienst. „Mit der Pauschale kann ich die Haftpflichtversicherung zahlen. Davon bin ich aber noch nicht versichert, und fürs Alter vorgesorgt habe ich erst recht nicht“, erklärt Esther Frost das Problem. Für rein freiberuflich arbeitende Hebammen rechnet sich die Geburtshilfe nicht mehr. Sie müssten 15 bis 20 Geburten im Jahr übernehmen, nur um die Erhöhung der Haftpflicht zahlen zu können.

Klinikum muss einspringen

Darunter leiden auch die angestellten Hebammen und die werdenden Mütter. „Das führt dann natürlich zu einer Verschiebung. Die angestellten Hebammen im Krankenhaus müssen den Rückgang ausgleichen“, erklärt die 48-Jährige. Da käme es vor, dass die Hebammen im Krankenhaus vier Geburten gleichzeitig betreuen müssten, und das sei ein enormer Stress.

Den Rückgang der Zahl der Hebammen abzufangen, sei laut Martin Ködding, dem Geschäftsführer des Klinikums Bad Hersfeld, kein großes Problem. Ganz aktuell haben neben Esther Frost noch zwei weitere freiberufliche Hebammen als Beleghebammen angefangen, die früher im Elisabeth-Krankenhaus gearbeitet haben, sagt Ködding. Die Hebammenstation ist rund um die Uhr besetzt. Das Klinikum hat einen Schichtdienst, bei dem die Hebammen im Kreißsaal und in der Geburtsstation eingeteilt sind. „Wenn mehrere Geburten auf einmal anstehen, kommt eine der Hebammen von der Geburtsstation in den Kreißsaal und hilft“, erklärt Karin Otto-Lange, Pflegedirektorin des Klinikums.

Acht festangestellte Hebammen arbeiten in drei Schichten im Bad Hersfelder Klinikum. So sei es kein Problem, eine weitere Hebamme in den Kreißsaal zu rufen. Außerdem gibt es eine Hebamme, die Rufdienst hat und auf Abruf bereit steht.

Beruf ist Berufung

Eine Eins-zu-Eins-Betreuung, wie sie eine freiberufliche Hebamme macht, sei damit trotzdem undenkbar, sagt Esther Frost. Dafür müssten Schwangere bis nach Fulda oder Kassel fahren. Das läge daran, dass die Hebammen schon für zwei Geburten im Monat in ständiger Bereitschaft sein müssten. „Meine Stunden zähle ich schon lange nicht mehr“, sagt Esther Frost. Ihren Beruf aufgeben würde die freiberufliche Hebamme aber nie: „Mein Beruf ist eben auch Berufung.“ (mad)

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