Weitere Debatte über Kündigung von Festspielintendant Holk Freytag im Ausschuss

Unverminderte Schärfe

Getrennte inzwischen Wege: Bürgermeister Thomas Fehling (links) musste sich im Ausschuss für die Kündigung von Festspielintendant Freytag rechtfertigen. Foto: HZ-Archiv/Schönholtz

Bad Hersfeld. Die politische Aufarbeitung der fristlosen Kündigung von Festspielintendant Holk Freytag wurde am Mittwoch im Stadtverordnetenausschuss für Kultur und Bildung mit unverminderter Schärfe fortgesetzt.

Dabei rechtfertigte Bürgermeister Thomas Fehling die Entscheidung des Magistrats einmal mehr damit, dass Freytag finanzielle Vorgaben der Stadtverordnetenversammlung nicht eingehalten habe. Im Gegenzug musste er sich vorwerfen lassen, aus politischen Motiven gehandelt zu haben, weil ihm „die ganze Richtung nicht gepasst“ habe. Die Kündigung sei „aus fadenscheinigen Gründen“ erfolgt, kritisierte der SPD-Stadtverordnete Gerhard Finke den Rathauschef.

Zu Beginn der Sitzung hatte Michael Bock von der Neuen Bürgerliste NBL versucht, diesen Tagesordnungspunkt für überflüssig zu erklären. Die Entscheidung des Magistrats sei gefällt, also bringe es nichts mehr, „immer wieder dasselbe zu diskutieren“, argumentierte Bock, und forderte „nach vorne zu schauen“.

Als er die Kündigung dann noch als „menschlich, inhaltlich, wirtschaftlich und arbeitsrechtlich richtig“ bezeichnete, erhob aus dem vielköpfigen Publikum lautstarker Protest.

Bürgermeister Fehling legte dahingehend nach, dass er den eigentlichen Eklat in der mittlerweile strafrechtlich verfolgten Indiskretion sah, dass der Magistratsbeschluss innerhalb weniger Minuten aus dem nicht öffentlichen Gremium in die Medien gelangt war. Dies habe ihm die Möglichkeit genommen, die Entscheidung mit Freytag zu besprechen und differenziert zu kommunizieren.

Lücke von 700 000 Euro

Die für 2015 drohende Finanzierungslücke im Festspieletat bezifferte der Bürgermeister auf rund 700 000 Euro: 400 000 durch nicht eingehaltene Vorgaben seitens des Intendanten, dazu 300 000 durch das in der diesjährigen Spielzeit aufgetretene Defizit beim Kartenverkauf.

„Ich bedaure, dass wir wieder nur über Geld reden“, entgegnete Monika Schmidt (Grüne) und verwies darauf, dass der Großteil des Budgets aus fixen Kosten bestehe. Sparen sei also nur im künstlerischen Bereich und damit zu Lasten der Qualität möglich.

„Wenn die Saison 2015 vor die Wand gefahren wird, tragen Sie die Verantwortung“, legte Gerhard Finke mit Blickrichtung Fehling nach. Und Ausschussvorsitzender Dr. Thomas Handke warf dem Bürgermeister eine „gezielte Strategie“ vor, mit der er am Stuhl von Holk Freytag gesägt habe.

Sachlich gab es nichts Neues: Bis Ende September, so erklärte Fehling auf Nachfrage, wolle er einen Kandidaten für die Intendanz präsentieren. Vorher hat der Rathauschef, der sich an diesem Wochenende vermählt, auch noch Urlaub.

Von Karl Schönholtz

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