Unterwegs auf den Spuren Luthers

Auf den SpurenMartin Luthers unterwegs: Rund 120 Menschen machten sich in Kathus auf dem Weg nach Bad Hersfeld. Vorne mit Pilgerkreuz Pfarrer Hannes Georg, rechts neben ihm im grünen Hemd, Wanderführer Karlheinz Otto aus Kathus. Foto: Janzen

Bad Hersfeld. Pilgern ist in und die Bibel bleibt auch in Zeiten des Smartphones ein wesentlicher Kompass - diese Aussage, die Dekan Dr. Frank Hofmann an den Beginn der offiziellen Eröffnung des Lutherweg-Teilstücks zwischen Bad Berka und Mücke im Vogelsbergkreis stellte, lässt sich auch für Bad Hersfeld eindeutig bestätigen: Mehr als 120 Pilger und Wanderer hatten sich bei bestem Wetter auf den Weg gemacht, um ein kleines Teilstück des Weges unter die eigenen Füße zu nehmen.

Gemeinsam mit Pfarrer Hannes Georg sowie den erfahrenen Wanderführern Karlheinz Otto, Rainer Limmeroth und Wolfgang Schade ging es von der Kathuser Kirche, wo die Gruppe von Pfarrer Christoph Biskamp mit einem Pilgersegen verabschiedet wurde, bis in den Hersfelder Stiftsbezirk.

Geistliche Impulse 

Auch wenn die Initiatoren sich bewusst dafür entschieden hatten, die Veranstaltung nicht als „Pilgern“, sondern offener als „Pilgerwanderung“ zu bezeichnen, gab es auf dem sehr abwechslungsreichen Weg einige geistliche Impulse, die zum Nachdenken anregten. Ein Teilstück wurde bewusst im Schweigen zurückgelegt, worüber manche Teilnehmer sicherlich nicht unglücklich waren, handelte es sich doch um das einzige relativ steile Wegstück auf dem ansonsten sehr komfortablen und zumeist landschaftlich reizvollen Weg von Kathus über den Obersberg nach Bad Hersfeld. Dass Pilgern heute nicht ausschließlich dafür steht, „Gott in der Natur zu suchen“, zeigte sich daran, dass auch Industriegebiete und die Hersfelder Fußgängerzone durchquert wurden.

Deutlich wurde dabei, dass viel Arbeit und viel Nachdenken sowohl in die Beschilderung als auch in die Infrastruktur des Weges geflossen ist. An der Kathuser Kirche wies Pfarrer Biskamp stolz auf den nagelneuen Brunnen hin, an dem sich durstige Pilger künftig mit gutem Hersfelder Trinkwasser erfrischen können und auch der Pilgersteg über das Flüsschen Solz präsentierte sich in ausgezeichnetem Zustand, was wohl nicht immer der Fall war, wie ein hier verlesener historischer Brief aus dem 19. Jahrhundert belegte.

Lutherweg mit Pilgerreise eröffnet

Im Hersfelder Stiftsbezirk wurden die Pilger unter anderem von mittelalterlichen Spielleuten (Jürgen Nothbaum und Angelika von der Ehe) und von den Hersfelder Mönchen empfangen, die zu diesem besonderen Anlass sogar das schweißtreibende Läuten der historischen Lullusglocke gerne auf sich nahmen.

Engagement gewürdigt 

Doch Spielleute und Mönche waren nicht die Einzigen, die den Pilgerinnen und Pilgern im Stiftsbezirk einen angemessenen Empfang bereiteten. Neben Dekan Dr. Frank Hofmann, Bürgermeister Thomas Fehling und Landrat Dr. Michael Koch waren noch Vertreterinnen und Vertreter des Vereins Lutherweg in Hessen, des Vogelsbergkreises, der großen „Lutherrunde“ und weitere Unterstützer vor Ort. Gewürdigt wurde an dieser Stelle vor allem das Engagement der vielen Ehrenamtlichen, unter anderem Hartmut Ziehn und Ulrich Brill, ohne die die kühne Idee von einem Pilgerweg entlang der Route, die Luther vermutlich 1521 auf seinem Weg vom Reichstag in Worms bis zur Wartburg nahm, nicht umzusetzen gewesen wäre. Von Ute Janßen

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