Via Mobil bereist die Handelsstraße via regia / Stopp in Bad Hersfeld

Unterwegs auf historischen Wegen

Unterwegs durch Europa, angekommen in Bad Hersfeld: Thomas Kluttig und Carola Queitsch zeigen auf der Karte, wo es lang geht auf der via regia.

Bad Hersfeld. Kalte Regentropfen fallen aus düsteren Wolken, die tief über der Stiftsruine hängen. Die Reisenden sind durchnässt, sie frieren. Die großen Räder ihrer Ochsenkarren wühlen sich schmatzend durch den tiefen Morast der alten Handelsstraße. Jetzt fehlt nur noch ein Raubüberfall...

So könnte es gewesen sein, damals im dunklen Mittelalter, als Händler und Reisende auf der via regia, einer der bedeutendsten Handelsstraßen zwischen dem ukrainischen Kiew und dem spanischen Santiago de Compostella unterwegs waren und dabei auch an Bad Hersfeld vorbei zogen.

Fünf Monate, 4500 Kilometer

Auch gestern ging gerade ein Wolkenbruch nieder, aber sonst reisen Thomas Kluttig und seine Kollegin Carola Queitsch viel bequemer als die Händler früherer Tage. Insgesamt fünf Monate sind die beiden Sachsen als „mobile Botschafter“ für die 3. Landesausstellung in Görlitz unterwegs.

Rund 4500 Kilometer durch fünf Länder mit Stationen in 40 Städten legen sie dabei mit einem modernen Wohnmobil zurück. „Ein schönes Abenteuer“ ist die Tour trotzdem, sagt Thomas Kluttig beim Zwischenstopp auf dem Bad Hersfelder Linggplatz.

Eine eingeschmissene Scheibe in Frankfurt, einige atemberaubende Fahrmanöver mit dem mit Werbematerial schwer beladenen Wohnmobil mit Hänger in engen südeuropäischen Gassen, sonst verlief ihre Reise bislang reibungslos.

„Das größte Abenteuer ist heute, die entsprechenden Genehmigungen der Städte zu bekommen, um das Info-Mobil dort zu parken“, berichtet Queitsch, während der Regen auf die kleine Markise des Wohnmobils platscht. Sie und ihr Kollege Kluttig arbeiten als Kulturmanager für die staatlichen Kunstsammlungen in Dresden. Sie haben die Tour geplant und begleiten sie nun.

Finanziert wird die Rundreise vom Freistaat Sachsen, der damit Werbung für die Landesausstellung „via regia – 800 Jahre Bewegung und Begegnung“ machen will, die vom 21. Mai bis 31. Oktober in Görlitz stattfindet.

Dort wird sich dann auch Bad Hersfeld präsentieren. Deshalb wurden die „mobilen Botschafter“ gestern auch von Bürgermeister Hartmut H. Boehmer, Intendant Holk Freytag, Stadtpolitikern und dem Stadtverordnetenvorsteher Dr. Rolf Göbel begrüßt.

Bad Hersfeld ist dabei

Bad Hersfeld ist Mitglied der Organisation via regia, einem Zusammenschluss der alten Handelsstädte, und Göbel erhofft sich davon viele Impulse für sein Vorhaben, Bad Hersfeld künftig auch als „Stadt der Kaiser und Könige“ touristisch zu vermarkten. „Überall entlang der alten Handelsstraße gab es königliche Aktivitäten – in Paris genauso wie in Bad Hersfeld“, sagt Göbel. Mit diesem historischen Erbe will die Stadt nun versuchen, den Kulturtourismus zu aktivieren.

Göbel ist deshalb derzeit auf vielen Arbeitstagungen unterwegs, um dort Netzwerke zu knüpfen. „Die Resonanz vor allem in Hessen ist groß“, sagt Göbel. Darum werde sich Bad Hersfeld auch in Görlitz präsentieren, um dort neue Kontakte zu knüpfen und „mit unserem Pfund, den Festspielen, zu wuchern.“

Carola Queitsch und Thomas Kluttig haben unterdessen die klatschnasse Markise des Wohnmobils eingerollt und das Info-Material verstaut. Weiter geht’s für die beiden modernen Handelsreisenden auf der traditionsreichen via regia. Nächster Stopp: Eisenach.

Von Kai A. Struthoff

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