30 Prozent der Betriebsinhaber sind über 55 Jahre alt

Unternehmer suchen dringend Nachfolger

Hersfeld-Rotenburg. Ein Dauerbrenner wird zum wachsenden Problem: Etwa 30 Prozent der im Bezirk der Handwerkskammer Kassel arbeitenden Unternehmer – auch der im Kreis Hersfeld-Rotenburg – sind 55 Jahre alt oder älter. Für diese Betriebe werden mittelfristig Nachfolger gesucht. 1250 Unternehmen aus dem Kreisgebiet sind Mitglied der Handwerkskammer.

Das Problem der Betriebsübergabe ist bei Industrie- und Handelskammer (IHK) und Kreishandwerkerschaft bekannt. Wenngleich beide Organisationen nicht über detaillierte Zahlen für den Kreis verfügen, sind sich ihre Vertreter einig, dass der demographische Wandel ein Teil des Problems ist. Es gebe weniger junge Fachkräfte, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen wollen, sagt Dirk Bohn, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Dabei könne der Traum, sein eigener Chef zu werden, gerade im Handwerk wahr werden.

Bernd Blumenstein, der in der Handwerkskammer Kassel die Abteilung Betriebsberatung und Unternehmenführung leitet, berichtet, dass sein Team bis Oktober dieses Jahres 90 Gespräche im Kreis geführt habe, bei denen es um Unternehmensnachfolge ging. In 18 Fällen sei es zu einer Lösung gekommen. Etwa die Hälfte der Nachfolger stamme aus der Unternehmerfamilie selbst, jeweils ein Viertel aus dem Mitarbeiterkreis und aus externen Bewerbern.

Im gesamten Beratungsbezirk, der Nord-, Ost- und Mittelhessen umfasst, suchten 130 Unternehmer ganz konkret nach einem Nachfolger, aber nur 15 Fachleute seien auf der Suche nach einem eigenen Betrieb. Zu den Sorgenkindern gehörten traditionelle Betriebe wie Fleischerei und Bäckerei. Hier habe sich die Wettbewerbssituation verschoben. Es gebe immer mehr industrielle Anbieter wie Fleischwerke und Großbäckereien, die in handwerkliche Märkte drängen. (ach)

ZUM TAGE, HINTERGRUND

Von Silke Schäfer-Marg

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