Die 19-jährige Anna Brandau aus Bad Hersfeld betreut mit der Kirche Kinder in Afrika

Unter Namibias Sternen

In Afrika wird immer getanzt: Schon die Kinder haben den Rhythmus im Blut. Und Anna Brandau tanzt munter mit.

Bad Hersfeld/Windhoek. Ein seltsames Gefühl war es, als mein Flieger aus Johannesburg über Windhoek zur Landung ansetzte. Dieses Land würde also mein Zuhause sein für die nächsten sechs Monate. Vorfreude stieg in mir auf.

Die folgenden Tage waren voller neuer Eindrücke bezüglich Menschen, Umgebung und Sprache. Alle Menschen sind mir unglaublich nett begegnet und dadurch, dass Deutschland früher Kolonialmacht war in Namibia, kam ich mir mit meinem Deutsch nicht ganz fremd vor.

Ansonsten wird eine Mischung aus Englisch, Afrikaans und den Stammessprachen gesprochen, was beim Verstehen schon eine kleine Herausforderung darstellt.

Auch die Währung kam mir anfangs komisch vor, denn ungefähr 13 Namibian Dollar sind ein Euro. Man redet hier also beim Einkaufen oder Tanken von sehr hohen Zahlen, die sich aber beim Umrechnen schnell als relativ „wenig“ Euro herausstellen.

Leben in Klein-Windhoek

Ich wohne in Klein-Wind-hoek, und meine Wohnung ist sehr schön, ich habe mich direkt wohlgefühlt. Doch die Stromzäune, Alarmanlagen und Gitter vor den Fenstern erinnern daran, dass ich mich eben doch in einem anderen Land als Deutschland befinde.

Ungefähr eineinhalb Wochen nach meiner Ankunft hatte ich das große Glück, mit meiner Mitpraktikantin und meinem Chef in den Urlaub fahren zu können. Wir haben insgesamt 2600 Kilometer hinter uns gelassen, das meiste davon auf „scrabble roads“ also ungeteerten Straßen.

Namibia ist doppelt so groß wie Deutschland, trotzdem leben im ganzen Land nur circa 2,1 Millionen Menschen. Wir sind also oft stundenlang gefahren, ohne auch nur ein anderes Auto zu sehen. Der Vorteil daran war, dass ich mich langsam, aber sicher an den Linksverkehr gewöhnen konnte.

In Windhoek steht mir ein eigenes kleines und uraltes Auto zur Verfügung. Doch schon jetzt habe ich gemerkt, dass das der größte Luxus ist, denn in einer Stadt, in der es eigentlich fast keine öffentliche Verkehrsmittel gibt, ist ein Auto der Schlüssel zur Selbstständigkeit.

Lieblingsgericht: Krokodil

Unsere Reise hat uns in den Norden Namibias geführt, bis an die Grenze zu Angola und den wunderschönen Epupa-Waterfalls. Umso höher man in den Norden kam, umso wärmer wurde es, auch nachts. In Namibia ist momentan noch Winter, und obwohl es tagsüber fast an die 30 Grad ging, wurde es nachts in unseren Zelten noch bitter kalt.

Trotzdem haben wir zwei Nächte ohne Zelt, dafür aber unter dem traumhaften afrikanischen Sternenhimmel geschlafen. Ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde. Genauso wenig wie unseren Besuch im Etosha-Nationalpark. Noch vor dem Sonnenaufgang ging es los, und das frühe Aufstehen wurde belohnt. Direkt das erste Tier, das wir sahen, war ein Löwe! Darauf folgten Giraffen, Zebras, Elefanten und unzählige mehr. Ich kam aus dem Staunen und Fotos machen gar nicht mehr heraus.

Komisch ist es dann aber, wenn man genau die Tiere auf dem Teller präsentiert bekommt. Besonders Zebra und Steinbock werden gerne gegrillt, mein Favorit ist Krokodil.

Auch unser Besuch in einem Himba-Dorf war ein Erlebnis. Fernab von jeglicher Zivilisation leben die Menschen hier in kleinen Dörfern, meist ein Mann mit all seinen Frauen, Mätressen und Kindern. Sie haben versucht, mit uns zu tanzen, doch scheinbar haben wir Europäer den Rhythmus nicht so im Blut wie die Afrikaner.

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