Montagsinterview mit dem Vorsitzenden des IHK-Regionalausschusses Heinrich Leist

FDP ist unser Untergang

Mit Schrauben kennt er sich aus: Der Unternehmer Heinrich Leist weiß, welche Stellschrauben die Wirtschaft bewegen. Foto: Struthoff

Bad Hersfeld. Im Büro von Heinrich Leist spürt man förmlich wie die Wirtschaft brummt. Die schweren Maschinen seiner Firma in Kathus lassen die Decke im Raum darüber vibrieren. Mit dem Unternehmer, der auch Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses ist, sprach Kai A. Struthoff über die Wirtschaft im Kreis und ihre Sorgen und Nöte.

Herr Leist, die Politiker, allen voran Ministerpräsident Bouffier, loben die Wirtschaftskraft und -dynamik unseres Kreises in höchsten Tönen. Sehen Sie das als Unternehmer auch so?

Heinrich Leist: Das ist doch nichts anderes als Selbstbeweihräucherung der Politik. Unser Problem bleibt, dass wir verkehrstechnisch abgehängt werden. Dazu trägt die neue A44 von Eisenach nach Kassel aber auch die A66 von Fulda bei. Deshalb brauchen wir den Weiterbau der A4 von Hattenbach nach Olpe, um ins Ruhrgebiet und weiter zu kommen. Hinzu kommt, dass das Arbeitsplatzangebot in unserem Kreis immer schmaler wird, weil uns die produzierenden Gewerbe fehlen.

Der FDP-Landtagsabgeordnete Paulus hat unlängst im Landtag aufgezählt, was speziell das FDP-geführte Wirtschaftsministerium alles Gutes für unseren Kreis tut. Fühlen Sie sich tatsächlich ausreichend unterstützt?

Leist: Wir fühlen uns von Wirtschaftsminister Posch total vernachlässigt und verschaukelt. Er verweigert sich den Einladungen der hiesigen Unternehmerschaft, um über eben die Verkehrsproblematik zu sprechen. Statt dessen verkündet er, der Weiterbau der A4 ist nicht nötig. Die FDP ist der Untergang des Kreises Hersfeld-Rotenburg. Minister Posch bevorzugt die Region um Kassel, und Justizminister Hahn macht derweil hier die Gerichte platt.

Wie schwer trifft die Schließung der Alheimer-Kaserne die hiesige Wirtschaft?

Leist: Kasernen wie früher auch die Zonenrandförderung sind ein süßes Gift, das bringt uns nicht weiter. Wir müssen selbstständig werden und dürfen nicht von solchen Einrichtungen abhängig sein. Wenn uns eine Kasernenschließung aus der Bahn wirft, haben wir etwas falsch gemacht.

Viele Firmen aus dem Kreis sind als Zulieferer betroffen.

Leist: Das stimmt, und die Schließung ist natürlich auch nicht zu bejubeln. Dennoch ist eine Kaserne kein Garant für sichere Arbeitsplätze – auch nicht für die Zulieferer. Das galt damals übrigens auch für die Hersfelder Bundesgrenzschutzkaserne.

Wie geht es mit dem Rotenburger Kasernenareal weiter?

Leist: Ich sehe kaum eine Chance, auf dem Alheimer-Gelände Gewerbe anzusiedeln. Die Voraussetzungen dafür ist eine möglichst direkte Verkehrsanbindung an die Autobahn, weil alle Betriebe auf den Zehntelcent genau kalkulieren. Eine Firma, die sich ansiedeln möchte, fragt zuerst nach der Verkehrsanbindung und dann nach Fachkräften. Wenn diese Kriterien wackeln, kommt keiner. Das sieht man beispielsweise am Gewerbegebiet Mecklar-Meckbach, wo sich seit der Gründung 1968 kaum einer ansiedeln will. Ich habe schon damals gewarnt, dass das dort eine Totgeburt wird.

Stichwort Fachkräftemangel. Sie haben sich sehr für die Studiengänge auf dem Schilde-Campus eingesetzt. Sind Sie mit den Fortschritten dort zufrieden?

Leist: Der Schilde-Campus ist fantastisch, und ich bin begeistert wie es dort wächst und gedeiht. Aber das war nicht leicht. Die IHK hat sich sehr dafür eingesetzt, und ich habe dafür Klinken geputzt. Dieser Campus ist die letzte Chance für unsere Region. Viele Firmen hier haben das erkannt und fördern das Projekt. Ich bin guter Dinge, dass wir dort bald neben Maschinenbau auch Elektrotechnik ausbilden können.

Auch Azubis sind kaum noch zu bekommen. Die Agentur für Arbeit fordert, die Firmen müssten ihre Ansprüche senken und auch weniger qualifizierte Bewerber einstellen?

Leist: Anders geht es nicht. Weniger qualifiziert sind die Schulabgänger heute ohnehin schon. Wir machen für unsere Auszubildenden deshalb sogar Nachhilfekurse, damit sie die Prüfung bestehen. Wenn die Schulen das nicht schaffen, müssen eben wir ran und die Jugend für die Zukunft ausbilden. Denn sie soll unsere Wirtschaft ja mal tragen.

Noch boomt die Wirtschaft hier. Wie ist Ihre Prognose für das kommende Jahr?

Leist: Schwer zu sagen, ich bin kein Hellseher. Als Autozulieferer sehe ich, dass es derzeit bei fast allen Modellen lange Wartezeiten gibt. Deshalb hoffe ich für unser Unternehmen, dass wir noch für ein Jahr mit Vollgas weiterarbeiten können.

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