Vortrag und Konzert im Bachhaus zu Robert Schumann und seinen leidvollen Leben

Unheilbar krankes Musikgenie

Nach gelungenem Trio-Vortrag : Matthias Heinrich (mit Cello), Dr. Ulrich Skubella und Dr. Richard Gronemeyer (von links). Foto: Renata v. Trott

Bad Hersfeld. „Du zartes Schlänglein bitterböser Lust“ so zitierte Richard Gronemeyer zum Schluss seines medizinhistorischen Vortrags über den berühmten Komponisten Robert Schumann (1810 bis 1856) den Arzt Erich Hoffmann zum 1905 von ihm (und dem Zoologen Schaudinn) mikroskopisch identifizierten Syphiliserreger Spirochaete.

Leidvoller Lebensweg

Warum Syphilis? Ein Trio eigener Art – der Solo-Cellist Matthias Heinrich (Freiburg), Anästhesist Dr. Ulrich Skubella am Flügel (Fritzlar) und Internist Dr. Richard Gronemeyer (Fritzlar), mit Bild-Projektionen und Text – war im dicht besuchten Bach-Haus einstündig aufgetreten. Der leidvolle Lebensweg des genialen Musikers Robert Schumann wurde im Wechsel mit seiner romantischen Musik nachgezeichnet. Gronemeyer präsentierte das tragisch endende Musiker-Leben Schumanns in seinen Etappen – nach glücklicher Kindheit und abgebrochenem Jura-Bummelstudium – und illustrierte es mit Porträts und dem Bild des marmornen Grabmals.

Schumanns irdisches Dasein war geprägt von unaufhaltsamer Melancholie und zunehmender neuropathologischer Paralyse, in körperlich-geistiger Zerrüttung. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts war ja die medizinische Forschung so weit, anhand des Obduktionsberichts zu erkennen, dass Schumann, ebenso wie Friedrich Nietzsche, Opfer einer falsch behandelten Syphilis war.

Schumann selbst glaubte (laut Tagebuch) 1831 dank Arsen kuriert zu sein; die Antibiotika-Therapie war damals noch unbekannt. Doch die Symptome einer entzündlichen Gehirnerkrankung nahmen zu und wurden fehlgedeutet von allen behandelnden Ärzten.

Robert Schumann heiratete 1840 gegen den Willen ihres Vaters Friedrich Wiek die neun Jahre jüngere Clara, hochbegabte Pianistin und später Mutter seiner sieben Kinder. Sie ließ ihn 1854, nach einem suizidalen Sprung in den Rhein, in die Bonn-Endenicher „Irrenanstalt“, die geschlossene Psychiatrie, einweisen. Sie habe sich danach mehr um den 21-jährigen Komponisten Johannes Brahms gekümmert, den sie in ihr Haus „als Familienoberhaupt“ aufnahm, als um ihren unheilbar erkrankten, geistig verwirrten Mann Robert, berichtete Gronemeyer. Er starb in der Klinik. In diesem Jahr feiern wir Robert Schumanns 200. Geburtstag.

Romantische Musik

Eindringlich und adäquat zu Gronemeyers knapper Präsentation trug Matthias Heinrich, (in Bad Hersfeld aufgewachsen) kurze, romantische Musikstücke Schumanns auf dem Cello vor. Der gebürtige Schlesier Dr. Ulrich Skubella begleitete ihn hierbei dezent, in gelungenem Einklang auf dem Flügel. Matthias Heinrich interpretierte Schumanns „Phantasiestücke“ zu Beginn noch leicht angespannt, doch wurde er zunehmend freier, entrückter. So entführte er in der Cello-Klavierbearbeitung „Scheherazade“ und zuletzt in der „Träumerei“ mit wunderbar kraft- und gefühlvollem Strich in die musikalisch beseelte romantische Welt. Schmerzlich versunken und mitreißend spielte er schließlich das Allegretto der Sonate a-Moll. Das Publikum dankte ergriffen mit immer wieder aufflammendem Beifall.

Von Renata von Trott

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