Auf Motorradstreife mit Oberkommissar Peter Göb von der Autobahnpolizei

Das Unglück lauert an der Ecke

Polizist Peter Göb fährt gerne Motorrad, auch privat. Unser Bild zeigt ihn am Kirchheimer Dreieck.

Bad Hersfeld. Die Autobahn 4 zwischen Bad Hersfeld und Kirchheim gleicht einem Irrgarten. Schon vor der Eichhofsiedlung wird es eng. In Etappen wird der Verkehr von der Anschlussstelle Bad Hersfeld in drei Stufen von 120 auf 80 Kilometer pro Stunde heruntergebremst.

Elegant schert Polizeioberkommissar Peter Göb mit seiner weißen Dienst-BMW vom Typ K 75 aus dem Windschatten des Sattelzuges heraus und setzt sich vor den vielrädrigen Riesen.

Weil vor der Eichhofsiedlung eine Stützwand gebaut wird und bei der Sanierung der Asbachtalbrücke der ganze Verkehr in vier verengten Spuren auf einer halben Vorkriegsautobahn laufen muss, fährt man als Autobahnpolizist am besten mit dem Motorrad. Anders kommt man auf einer Überholspur, die gerade noch zwei Meter Luft zwischen surrenden Lkw-Rädern und einer bedrohlichen Beton-Schutzwand lässt, nicht problemlos durch. Schon gar nicht, wenn sich ein Unfall ereignet hat. Denn ein Entrinnen auf den Standtstreifen gibt es nicht. Da geht es den Polizisten wie den zivilen Verkehrsteilnehmern.

Peter Göb ist einer der zehn Beamten der Polizeiautobahnstation, die den Dienstführerschein besitzen und in den Schichten mit einer der beiden in die Jahre gekommenen BMW-Dreizylinder-Motorräder auf die Piste gehen.

Am Montag war eigentlich kein Motorradwetter, dennoch rückte Peter Göb mit seiner Maschine aus, um sich ein Bild von der Lage auf der A4, und der A7 zu machen. Unfallaufnahme oder Verkehrslenkung sind diesmal kein Thema für den Motorradpolizisten. Der Sprechfunk schweigt.

Neuer Dienstanzug

Geschmeidig surren die Ventile des liegenden Dreizylinder-Motors in der Steigung vorm Kirchheimer Dreieck als Regen einsetzt. Im neuen Motorradanzug, der schon im aktuellen Blau der hessischen Polizei gehalten ist, fühlen sich die Männer von der Autobahnpolizei deutlich wohler als in den grünen Gummianzügen. Da macht auch der Sprühregen nichts aus. Peter Göb sitzt locker hinter seiner weißen Verkleidung. Passend zum neuen Outfit bekommen die Motorradpolizisten im Juli auch zwei neue Dienstmaschinen. In Silber und Blau gehalten sind die neuen BMW-Motorräder vom Typ 900 RT. Tourer mit reichlich Stauraum.

Peter Göb fährt nicht nur dienstlich Motorrad, sondern ist auch privat mit seiner Yamaha R6 schon wieder flott unterwegs.

Er weiß, wo beim Start in die Saison die Risiken liegen: „Autofahrer und Motorradfahrer müssen sich jetzt erst wieder aneinander gewöhnen.“

Besonders die Autofahrer hätten Schwierigkeiten die Geschwindigkeit einzuschätzen, mit den Motorräder herannahen. Als er dieser Tage vom Dienst in Bad Hersfeld auf dem Heimweg war, sah er das Unglück schon kommen. Ein älteres Ehepaar wollte von der Landstraße bei Sieglos in die Vorfahrtsstraße abbiegen. „Da hab’ ich mir schon gedacht, dass die mich nicht sehen.“ Und so kam es. Doch der Motorradfahrer hatte schon Hand und Fuß an der Bremse und verhinderte den Zusammenstoß.

Lobenswert fand es Peter Göb, dass sich die Fahrerin, eine ältere Frau, bei ihm entschuldigte. Bei jährlichen Fahrsicherheitstrainings werden die Beamten auf solche Situationen, Ausweichmanöver oder Vollbremsungen, vorbereitet. Eine Schulung, die auch Privatfahrern zu empfehlen ist.

Die erste Osterreisewelle ist glimpflich abgegangen. Zum Ferienbeginn gab es nur sechs Unfälle auf den Autobahnen, dennoch wiegen sich Dienststellenleiter Jürgen Jakubowski und die Beamtinnen und Beamten in den Dienstgruppen nicht in Sicherheit. Die Schichten wurden mit Blick auf den zu erwartenden Betrieb am Gründonnerstag und die Rückreisewelle am Ostermontag verstärkt. Dazu gehört der Einsatz der Motorradstreifen. Aber nur, wenn es das Wetter zulässt. Ein warmer Streifenwagen ist auch etwas wert. HINTERGRUND

Von Kurt Hornickel

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