Viele Besucher bei der ersten Veranstaltung der neuen Gesprächsreihe der Festspiele

Ungeschminkter Auftakt

Konzentriertes Lauschen: Markus Pfromm (von links), Julian Weigend, Marianne Larsen und Wolfgang Schmidtke folgen den Ausführungen von Holk Freytag. Foto: Hanisch

Bad Hersfeld. Ungeschminkt soll es sein, kein Theater. Frei von Regeln, spontan und dem Impuls folgend – das ist die Idee hinter der neuen Gesprächsreihe „Ungeschminkt“, deren erste Veranstaltung am vergangenen Sonntag stattgefunden hat und das gut gefüllte Lounge-Zelt der Bad Hersfelder Festspiele in eine richtige Kommunikationsplattform verwandelt hat.

Zu dieser neuen Veranstaltungsreihe, die gemeinsam von den Bad Hersfelder Festspielen und der Hersfelder Zeitung als Medienpartner ins Leben gerufen wurde, hatten Intendant Holk Freytag und HZ-Geschäftsführer Markus Pfromm die Gäste Marianne Larsen (Golde, Anatevka), Julian Weigend (Edgar, König Lear) und Wolfgang Schmidtke (musikalischer Leiter Schauspiel) eingeladen, um in einer lockeren Gesprächsrunde über das Thema „Tradition“ zu sprechen.

Tradition als Basis

Was bedeutet Tradition eigentlich? Welche Traditionen sind zwingend erforderlich, welche gilt es zu durchbrechen und wie lassen sie sich weiterführen? Diese und weitere Fragen wurden erörtert und durch passende Lied-Einspieler ergänzt. Gleich zu Beginn machte Freytag darauf aufmerksam, dass der Begriff „Tradition“ zumeist falsch gebraucht werde. „Tradition ist ein lebendiger Prozess, veraltete Traditionen gibt es also gar nicht“, wies er auf den offensichtlichen Widerspruch hin. Auch wenn die Tradition als solche schwer zu definieren sei, waren die Anwesenden doch relativ einstimmig der Meinung, dass die so oft beschimpften Traditionen nichts Negatives sein müssen.

Insbesondere als Basis für Kinder und Jugendliche, vielleicht auch um sich später daran zu reiben, sei sie unverzichtbar, meinte Pfromm. Und nicht nur da. „Der allgemeine Umgang unter den Menschen ist zum Teil erschreckend“, bemerkte Weigend, und ein Besinnen auf Werte sei daher unbedingt nötig.

Daneben wurden aber auch Bezüge zur aktuellen Politik, und natürlich zur Musik und zum Theater hergestellt. So würde sich Marianne Larsen gerade im Musical-Bereich weniger Starrheit und „einen Blick nach Amerika“ wünschen.

Ähnlicher Ansicht war auch Wolfgang Schmidtke. Es gäbe Tausende von Opern, aber nur um die 15 würden auch tatsächlich aufgeführt.

In der unkonventionellen Gesprächsrunde wurden Denkanstöße gegeben, es wurde gescherzt, widersprochen und Musik gehört – eben alles ganz und gar „ungeschminkt“. Und wie führt man auf Grundlage von Traditionen die Bad Hersfelder Festspiele in eine neue Zeit? „Man kann alles machen, man muss es nur gut machen“, bringt es Freytag wohl auf den Punkt.

Die nächsten beiden Veranstaltungen finden am 27. Juli um 23.30 Uhr und am 5. August um 11.30 Uhr jeweils in der Festspiel-Lounge statt.

Von Christin Hanisch

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