Bad Hersfelder Festspiele: Kleists Wortwitz ist für Stephan Schad harte Arbeit

Unfallfrei geht es nicht

Harte Arbeit: Für seiner Rolle als Dorfrichter Adam hat sich Stephan Schad intensiv mit dem Text der Originalfassung auseinandergesetzt. Foto: Eisenberg

Bad Hersfeld. In der Regel werden Schauspieler vom Regisseur für eine bestimmte Rolle angefragt, im Fall von Stephan Schad war es andersherum.

„Ich habe Holk Freytag den Vorschlag gemacht, den „Zerbrochnen Krug“ zu spielen“, berichtet der 50-Jährige. Nach seiner Rolle als hoch moralischer Nathan der Weise sei es für ihn „irrsinnig reizvoll“, eine derart abgründige Figur wie den seine Macht missbrauchenden Richter zu verkörpern. „Ich mag es nicht, dumme Figuren zu spielen“, erzählt der 50-Jährige. Der Dorfrichter Adam sei alles andere als dumm.

Reine Fleißarbeit

„Er hat allerdings nicht die richtigen Charaktereigenschaften, um ihm Macht in die Hand zu geben.“ Im Laufe des Stücks erfindet der Richter immer neue, aberwitzige Geschichten und Ausreden. Den feinen Wortwitz der Kleistschen Blankverse so herauszuarbeiten, dass er auch beim heutigen Publikum noch ankommt, sei „reine Fleißarbeit“, betont Schad. Das Werk gleiche einer Partitur, der Autor habe die Sprache seiner Zeit geradezu künstlerisch gestaltet. „Mit teilweise aberwitzigen Satzstellungen.“ Mit Witz gepaarte Intelligenz mache die Vorlage aus, ohne dabei ins Platitiüdenhafte abzugleiten. „Selbst wenn Frau Brigitte erzählt, dass der Richter vor Angst an den Baum geschissen hat“, meint Schad.

Vor einem Jahr hat der Schauspieler begonnen, sich den Text zu erarbeiten. Für die Ausgestaltung seiner Figur ziehe er Rückschlüsse aus dem gesamten Text – nicht nur aus dem, was die Figur selbst sage. Ohnehin nütze es nichts, nur den eigenen Part zu beherrschen: „Teilweise teilt man sich zu dritt eine Verszeile“, erklärt er. Ganz unfallfrei sei das Stück deshalb nie über die Bühne zu bringen. Es hake immer wieder an unerwarteten Stellen.

2013 war Schad für seine Rolle des Nathan mit dem großen Hersfeldpreis ausgezeichnet worden. Damals hatte Regisseur Holk Freytag noch die Intendanz inne. „Die Veränderung ist offensichtlich“, kommentiert Schad die neuen Rahmenbedingungen nach seiner Rückkehr, betont aber zugleich: Das Ensemble sei in seiner Arbeit vollkommen frei gewesen. Der Einsatz von Mikroports in diesem Jahr sei eine ebenso interessante Erfahrung, wie das Spiel ohne Verstärker vor zwei Jahren. Die Technik eröffne ihm neue stimmliche Gestaltungsmöglichkeiten im leisen Bereich. „Aber die direkte Akustik hat ihre eigene Qualität“.

In Bad Hersfeld könne er ohne Ablenkungen arbeiten. „Provinz findet im Kopf statt. Ich habe auch in den Großstädten viel Provinzielles erlebt“, betont der Schauspieler. Sein nächstes Projekt führt ihn seine schwäbische Heimat. Nach dem Festspielengagement beginnt die Promotion-Tour für den Film „Täterätä – die Kirche bleibt im Dorf 2“ durch Süddeutschland. „Dafür musste ich schwäbischen Dialekt sprechen, den man mir auf der Schauspielschule mühsam abgewöhnt hat“, erzählt Schad lachend.

Der zerbrochne Krug wird bei den Bad Hersfelder Festspielen wieder vom 3. bis zum 9. Juli in der Stiftsruine gezeigt.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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