Beim Weltgebetstag dreht sich alles rund um Frankreich – Studientage in Martinskirche

Der unbekannte Nachbar

Haben sich intensiv mit unserem Nachbarland Frankreich auseinandergesetzt: Pfarrerin Tanja Griesel, Renate Ehmert und Pfarrerin Gloria Dück (von links). Fotos: Deppe

Bad Hersfeld. „Wer kocht gerne etwas aus der französischen Küche?“ – „Wer ist schonmal ein französisches Auto gefahren?“ – „Wer war schon mal in Lourdes?“ Fragen wie diese stellte Renate Ehmer, Organisatorin der Studientage zum Weltgebetstag, den Gästen in der Bad Hersfelder Martinskirche.

Ergebnis: Wenn es um Autos, Kulinarisches oder Geographie geht, kennen sich die meisten mit unserem Nachbarland gut aus, sind doch alltägliche Gewohnheiten den unsrigen sehr ähnlich. Ganz anders verhält es sich dagegen mit der Religion.

Über die wichtigsten Unterschiede und Gepflogenheiten klärten die Referentinnen in der Martinskirche auf. Rund 60 Gäste – darunter zwei Männer – waren gekommen, um sich auf die Gestaltung der Weltgebetstagsgottesdienste vorzubereiten. Am Weltgebetstag, der am am 1. März gefeiert wird, folgen christliche Gemeinden weltweit einer vorgegeben Gottesdienstordnung. Ausgearbeitet wird diese immer von einem zuvor ausgewählten Land. Und so haben in diesem Jahr eben französische Christinnen die Vorbereitung übernommen.

Zentraler Leitsatz

Die Idee zu diesem gemeinschaftlichen Festtag stammt aus Zeiten, in denen Frauen in der Gemeinde noch unterdrückt wurden. Der weltweit gefeierte Gebetstag sollte ihnen eine Stimme verleihen. „Heute wird er zwar immer noch von Frauen gestaltet, richtet sich aber an alle Gemeindemitglieder“, sagt Pfarrerin Gloria Dück.

Die vorgestellten Ideen und Anregungen sollen die Gäste der Studientage nun in ihren Gemeinden einbringen. Denn auch wenn eine gemeinsame Liturgie vorgegeben wird, kann jede Gemeinde den Gottesdienst selbstständig ausschmücken.

Als zentraler Leitsatz wurde in diesem Jahr der Bibelvers „Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen“ (Matthäus 25,35) ausgewählt. Die französischen Frauen rufen auf diese Weise dazu auf, fremde oder heimatlose Menschen überall willkommen zu heißen.

Fremd war vielen Gästen in der Martinskirche auch der Umgang mit Religion im Nachbarland. In Frankreich werden Kirche und Staat strikt getrennt – und das von Kindesbeinen an. Religionsunterricht in der Schule gibt es nicht, das Aufhängen religiöser Symbole an öffentlichen Orten ist verboten.

Diese Trennung – die so genannte Laizität – wird dabei konsequent vollzogen. Renate Ehmert berichtet von einem Schulleiter, der seinen Job verlor, nachdem er Vertreter verschiedener Religionen in seine Schule zu einem Gespräch eingeladen hatte. Eine ähnlich strikte Trennung kennt man auf dem europäischen Kontinent sonst nur in Portugal und der Türkei.

Von Lasse Deppe

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