Polizeihauptkommissar Gerald Thornagel zieht die Uniform für immer aus

Umwelt und Olympia ’72

Hersfeld-Rotenburg. Die Olympischen Spiele der Freude 1972 in München waren auf einen Schlag vorbei. Auch für Gerald Thornagel. Der heute 60-Jährige aus Schenklengsfeld war eigentlich als hessischer Bereitschaftspolizist in München im Einsatz, um den Kontakt zu den Gästen zu pflegen und um Fragen zu beantworten. Doch nach dem Überfall auf die israelische Mannschaft wurde aus dem Hilfsdienst ein richtiger Einsatz. „Wir lagen als Absperrposten am Flughafen Fürstenfeldbruck und hatten das ausgeleuchtete Rollfeld und den Tower im Blick. Wir wussten von nichts. Und dann explodierten die Hubschrauber“, erinnert er sich an seinen wohl bewegendsten Einsatz.

Jetzt wurde der Polizeihauptkommissar nach über 41 Dienstjahren in den Ruhestand verabschiedet. Der aus Lengers stammende Gerald Thornagel begann seine berufliche Laufbahn 1967 im Anschluss an den Besuch der Realschule in Philippsthal. Zunächst absolvierte er eine Lehre als Betriebsschlosser im Kaliwerk Wintershall. Eine Notlösung, denn mit 15 Jahren war er zu jung für die Polizei. Seinen Traum erfüllte er sich 1970 mit der Ausbildung in Wiesbaden.

1973 wurde er nach Frankfurt versetzt. Nach einigen Jahren im Streifendienst absolvierte er die Ausbildung für den gehobenen Dienst und wurde 1980 nach Bestehen der zweiten Fachprüfung zum Kommissar befördert. Er war Dienstgruppenleiter und Leiter Einsatz und Organisation auf dem 9. Revier in Sachsenhausen.

Zeit der Studentendemos

Es war die Zeit der Studentendemos, der Hausbesetzerszene, der Anschläge der RAF und nicht zuletzt des Baus der Startbahn West. „Das war Krieg. Nachts um eins ging es ins Bett, und um 6 Uhr klingelte das Telefon – auf zur Startbahn. Nur gut, dass ich nie an vorderster Linie stand“.

1985 wurde Thornagel zur Polizeiautobahnstation Petersberg versetzt. Als Dienstgruppenleiter wechselte er kurz darauf zur Polizeistation Hünfeld, wo er fünf Jahre blieb. Hautnah erlebte er dabei die Öffnung der innerdeutschen Grenze mit. „Aus reiner Neugierde sind wir nachts einmal im Streifenwagen rüber nach Geisa, um zu schauen“, sagt Thornagel.

Ab 1991 versah er seinen Dienst in Bad Hersfeld. Nur ein Jahr später wurde er zur Aufbauhilfe nach Thüringen abgeordnet, wo er als Ausbilder in der ehemaligen Volkspolizeibereitschaft Rudolstadt Zugführer und Fachlehrer war.

Nachdem er 1993 eine spezielle Ausbildung zur Ermittlung von Umweltschutzdelikten absolviert hatte, ist er in dieser Funktion im gesamten Kreisgebiet als die „Umweltpolizei“ bekannt geworden. Als kompetenter Ansprechpartner und Ermittler war er auch bei den Fachbehörden geschätzt.

„Der Polizeiberuf war für mich Berufung. Die schönsten Zeiten erlebte ich trotz aller Belastungen in Frankfurt und als Umweltschützer“, erzählt er.

Wie der Vater...

Den Ruhestand will er neben der Familie mit zwei Enkeln auch den Hobbys Wandern und Pilze sammeln widmen. Das Polizei-Gen hat übrigens Tochter Alena geerbt. Sie absolviert ein Polizeistudium in Kassel.

Von Mario Reymond

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