Lieblingsorte: „Linke“-Landtagskandidat Horst Zanger schöpft Kraft beim Spazieren in den „Hersfelder Alpen“

Auf Umwegen zum Ziel

Ist bereits einen weiten Weg gegangen und hat noch viel vor: Horst Zanger tritt bei den Landtagswahlen für die „Linke“ an. In seiner knappen Freizeit ist er gerne mit Hündin Shiva in den Hersfelder Alpen unterwegs. Foto: Spanel

Bad Hersfeld. Verschlungene Wege sind Horst Zanger nicht fremd. Vermutlich zieht es ihn deshalb in jeder freien Minute in die sogenannten Hersfelder Alpen, ein idyllisches Fleckchen Erde mit naturbelassenen Pfaden und bewaldeten Hügeln oberhalb der Fritz-Rechberg-Straße.

Begleitet wird er dabei von der achtjährigen Mischlingshündin Shiva, die Zangers Lebensgefährtin aus einer ungarischen Tötungsanlage rettete und die bei dem Paar seitdem „den Himmel auf Erden“ genießt.

Früh politisiert

Wie die verzweigten Pfade der Hersfelder Alpen nahm auch der Lebensweg des 60-Jährigen privat wie politisch manchen Umweg, bis er ihn zu den „Linken“ führte, für die er jetzt als Spitzenkandidat in die Landtagswahl zieht.

„Ich wurde schon früh politisiert“, erzählt Zanger mit nachdenklicher Stimme. So habe er sich bereits als 15-Jähriger bei der Jugendorganisation der SPD engagiert.

Zanger stammt aus einfachen Verhältnissen. Die Eltern sind Heimatvertriebene, die Familie zerrissen. Weil der erste Mann der Mutter im Zweiten Weltkrieg fällt, wird Zanger schon früh mit den bitteren Folgen des Krieges konfrontiert. „Den Kriegsdienst habe ich verweigert“, sagt der 60-Jährige entschieden. Bis heute engagiert er sich aktiv in der Friedensarbeit.

In den 70er-Jahren tritt er der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) bei – „damals in dem Glauben, hier wirklich etwas verändern zu können“. Häufig reist er in dieser Zeit in die DDR, um Verwandte der Mutter in Thüringen zu besuchen. „Dabei habe ich bemerkt, dass ich nicht bereit bin, den real existierenden Sozialismus zu unterstützen“, erklärt der Landtagskandidat.

Sein Beruf als Fachinformatiker führt ihn in den Folgejahren nach London. Weil seine Tochter Maria-Katharina in Deutschland aufwachsen soll, kehrt er im Jahr 1999 zurück.

Hier treiben ihn die politischen Verhältnisse erneut um. 2004 tritt er in die Partei des Demokratischen Sozialismus’ (PDS) ein. „Ich wollte der Agenda 2010 der Regierung Schröder mit ihren Niedriglöhnen und Armutsrenten entgegentreten“, sagt Zanger. Das erste Mitglied der Partei im Kreis Hersfeld-Rotenburg sei er damals gewesen, erzählt er noch. 2007 ging die PDS im Zuge der Fusion mit der WASG in der Partei „Die Linke“ auf.

Um jede Stimme kämpfen

Trotz seiner hohen politischen Ambitionen bleibt Zanger Realist. „Ich muss und werde um jede Stimme im Landkreis kämpfen, um die Partei zu stärken“, sagt der Kandidat. „Ein Politikwechsel wird nur mit den Linken möglich sein.“ Eine punktuelle Zusammenarbeit mit SPD und Grünen schließt er nicht aus. Für eine Koalition müssten die Parteien von ihrer Meinung zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr sowie der Agenda 2010 abrücken – da ist Zanger konsequent.

Nur bei Hündin Shiva drückt er gern ein Auge zu. Die läuft schon eine geraume Zeit ungeduldig vor Zanger auf und ab – allzu lange Pausen mag sie nicht. Lange lässt sie Zanger nicht warten und marschiert festen Schrittes mit ihr davon. Schließlich hat er noch viel vor.

Von Emily Spanel

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