Christa Tschan und Kerstin Blüm wollen sich verstärkt um ältere Süchtige kümmern

Umbrüche meistern

Neues Thema: Christa Tschan (rechts) und Kerstin Blüm vom Beratungs- und Behandlungszentrum für Abhängigkeitserkrankungen wollen sich jetzt verstärkt mit dem Problem „Sucht im Alter“ auseinandersetzen. Foto:  Zacharias

Bad Hersfeld. Rauschtrinken ist nicht nur ein Problem von Jugendlichen. Auch in der Altersgruppe 65 bis 79 Jahre trinkt jeder fünfte Mann und jede zwölfte Frau regelmäßig einmal im Monat so viel Alkohol, bis er oder sie völlig betrunken ist. Etwa ein Drittel der Männer und 18 Prozent der Frauen haben nach einer Studie des Robert-Koch-Instituts ein riskantes und gesundheitsschädigendes Trinkverhalten.

Und die Zahl der Menschen über 60 Jahre, die Medikamentenmissbrauch betreiben, wird auf über 1,7 Millionen Menschen geschätzt. Dieser Zielgruppe wollen sich Christa Tschan und Kerstin Blüm vom Beratungs- und Behandlungszentrum für Abhängigkeitserkrankungen des Zweckverbandes für Diakonie nun verstärkt widmen.

Neuer Lebensabschnitt

„Was mache ich mit meinem Leben?“ Diese Frage stellt sich Menschen der Altersgruppe 65 plus besonders häufig. Wenn die berufliche Laufbahn beendet ist, beginnt ein neuer Lebensabschnitt, der sinnvoll verbracht werden möchte. Auch die Partnerschaft wird dann oft neu erlebt, wenn beide den ganzen Tag zu Hause sind.

„Wenn jemand vorher schon einen problematischen Alkoholkonsum hatte, dann ist der Einschnitt durch den Beginn der Rente oft ein Anlass, noch mehr zu trinken“, hat Kerstin Blüm festgestellt. Der Suchtstoff solle dann auch helfen, das Fehlen einer Tagesstruktur oder das Alleinsein besser zu ertragen. Ebenso wie Christa Tschan ist ihr aber auch aufgefallen, dass Menschen über 65 Jahre relativ selten in die Beratungsstelle kommen.

Das wollen die beiden Sozialpädagoginnen nun ändern. Sie wollen Kontakt zu ambulanten und stationären Pflegediensten aufnehmen und erfragen, ob dort ein Bedarf für Beratung und Behandlung gesehen wird und sich auch mit anderen Organisationen, die sich um ältere Menschen kümmern, vernetzen. Mit eingebunden ist auch die Fachstelle für Suchtprävention. Eine Mitarbeiterin dort hat bereits eine Fortbildung zum Thema Suchtprävention im Alter besucht. Neben der Alkoholsucht haben die Beraterinnen auch die Medikamentenabhängigkeit im Blick.

Dort sei es wesentlich schwerer, überhaupt ein Problembewusstsein zu erreichen, weil die Medikamente ja in der Regel von einem Arzt verschrieben würden, erläutert Christa Tschan. Oft bestehe so eine Abhängigkeit zehn Jahre und länger, bis sie auffalle. Die Abhängigkeit entstehe aber oft schon nach wenigen Wochen. Zudem ähnelten die Entzugssymptome den Anzeichen der Krankheit, die behandelt werden sollte.

Lebensqualität verbessern

Christa Tschan ist überzeugt davon, dass sich sowohl die Gesundheit als auch die Lebensqualität von Abhängigen auch im fortgeschrittenen Alter deutlich verbessern kann, wenn jemand bereit ist, in seinem Leben etwas zu verändern. Ihr ist aber auch bewusst, dass diese Veränderungen schwierig sind, nicht nur für den Betroffenen selbst, sondern auch für sein Umfeld.

Kontakt: Beratungs- und Behandlungszentrum (bbz), Haus der Diakonie 1, Kaplangasse 1 in Bad Hersfeld, Telefon 06621/61091. Ansprechpartnerinnen sind Christa Tschan (Leiterin der Beratungsstelle) und Kerstin Blüm (Diplom-Sozialpädagogin).

Von Christine Zacharias

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