Bewährungsstrafe für 27-jährigen Hersfelder

Als Übersetzer beim Drogen-Geschäft

Bad Hersfeld. Unter den gängigen Drogen ist Heroin die Schlimmste, zehrt an Körper und Besitz der Abhängigen, zerstört Beziehungen und persönliches Umfeld. Der junge Mann, der sich gestern wegen Rauschgiftdelikten vor dem Schöffengericht in Bad Hersfeld verantworten musste, war jedoch die Ausnahme von der Regel: Äußerlich unauffällig, seit Jahren mit fester Freundin und als Lagerabeiter mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag ausgestattet. Und doch war der Hersfelder heroinabhängig und konsumiert die Droge auch heute noch dann und wann.

Auch wenn er dem Gericht gestern im Hinblick auf eine Therapie nichts Greifbares anzubieten hatte, die Anklagevorwürfe von Staatsanwältin Christina Dern räumte der aus Russland stammende Deutsche unumwunden ein. Schon bei der Polizei hatte er „ausgepackt“ und Hintermänner benannt.

Denn als vor etwa anderthalb Jahren „litauische Wanderdealer“ im Kreis ihr Unwesen trieben, da war der Hersfelder mit seinen Sprachkenntnissen als Übersetzer ein gefragter Mann. Weil in einem Fall gar 50 Gramm Heroin den Besitzer wechselten, war nun auch der Dolmetscher dran – wegen Beihilfe zum Handel mit einer nicht geringen Menge von Betäubungsmitteln.

Hinzu kamen der Besitz von zwei Gramm Heroin im September vergangenen Jahres und zwei Autofahrten ohne Führerschein.

Obwohl der Helfer natürlich nicht genauso hart bestraft wird wie der Haupttäter, summierten sich die Einzelstrafen für den Hersfelder auf ein Jahr und neun Monate Freiheitsentzug. Das entsprach dem Antrag der Staatsanwältin.

Nicht selbstverständlich

Dass diese Strafe für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird, war trotz des stabilen Umfeldes, in dem der Angeklagte lebt, keine Selbstverständlichkeit. Richter Michael Krusche und die beiden Schöffen hätten nämlich auch gerne gehört, dass der Hersfelder schon mit der Drogenberatung Kontakt aufgenommen hat.

Eine Therapie machte ihm das Gericht deshalb im Bewährungsbeschluss zur Auflage. Außerdem muss der 27-Jährige 1000 Euro Bußgeld bezahlen. Nach kurzer Rücksprache mit seinem Verteidiger Volker Ried erklärte sich der Angeklagte mit dem Urteil einverstanden, so dass es sofort rechtskräftig wurde.

Von Karl Schönholtz

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