Die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem geplanten Projekt im Wald am Wehneberg

Über den Wipfeln ist Wind

So könnte es aussehen: Der geplante Wald-Windpark auf dem Wehneberg von der Blauen Liede aus Richtung Hauneck gesehen in einer Computer-Simulation. Am linken Bildrand die Stadtkirche. Foto: nh/Windpark Bad Hersfeld KG

Bad Hersfeld. Seit Wochen wird über die Windpark-Pläne von Alt-Bürgermeister Boehmer und Unternehmer Ingo Sauer teils kontrovers diskutiert. Jetzt beantworteten die Projektpartner erstmals die wichtigsten Fragen zu dem Vorhaben am Wehneberg.

?Warum brauchen wir überhaupt einen Windpark?

!Bad Hersfeld will bis 2020 alle Haushalte der Stadt mit regenerativer Energie beliefern. Allein mit Solarenergie wird dieses ehrgeizige Ziel nicht zu erreichen sein. Der Windpark könne dazu beitragen, sagten Boehmer und Sauer.

?Gibt es in Bad Hersfeld eigentlich genug Wind für einen Windpark?

!Bad Hersfeld ist kein ausgewiesenes Windvorranggebiet. Das haben Untersuchungen des RP in Kassel ergeben. Nur oberhalb des Hermannshofes und am Wehneberg gibt es zwei Flächen im Stadtgebiet, die überhaupt geeignet sind. Deshalb sollen auch die extrem hohen Riesenrotoren gebaut werden, um möglichst viel Wind einzufangen. Außerdem lohnt es sich nicht, nur eine einzelne Schwachwindanlage zu bauen, darum sollen gleich acht davon entstehen.

? Wie sehen solche Windkraftanlagen aus?

!Die Schwachwindanlagen, die wahrscheinlich von der Firma Nordex installiert werden sollen, sind mit 140 Metern rund 60 Meter höher als herkömmliche Windräder, die wir etwa aus Friedewald oder Kirchheim kennen. Die Nabenhöhe liegt 140 Meter über dem Fundament. In Deutschland gibt es noch keine vergleichbaren Wald-Windparks, wohl aber beispielsweise in Österreich. Die Wartung erfolgt durch den Hersteller, der Brandschutz ist vollautomatisch geregelt. Alle fünf Jahre wird das Öl gewechselt, was mit einem geschlossenen Kreislauf funktioniert, so dass kein Austritt von Schmiermitteln im Wald zu befürchten sei, sagen die Betreiber.

?Wieviel Wald muss für die Windräder fallen?

! Sehr wenig, sagen die Betreiber. Im sogenannten Erholungswald am Wehneberg werde gar nicht gebaut. Ansonsten sei das Gebiet bereits jetzt durch Wirtschaftswege gut erschlossen, so dass nur noch wenige Schneisen für den Bau geschlagen werden müssten. Insgesamt rechnen die Betreiber mit einer reinen Bauzeit von etwa einem Jahr.

?Welche Nachteile entstehen für die Anwohner und Waldspaziergänger?

!Alle Anlagen sind mindestens 1000 Meter von den nächsten Wohnhäusern entfernt. Die Lärmbelastung soll überall unter den vorgeschriebenen 40 Dezibel liegen. „Wenn es windstill ist, drehen sich die Rotoren nicht, wenn der Wind weht, rauschen auch die Wälder und übertönen die Anlage“, sagt Ingo Sauer. Nach aufwändigen Computersimulationen wurde ermittelt, dass nur in Teilen von Heenes und dem Rohbachtal an maximal vier Stunden im Jahr eine Belastung durch Schattenwurf der Rotoren entsteht – erlaubt sind bis zu acht.

? Wieviel Strom wird in dem Park erzeugt?

!Nach der CUBE-Wirtschaftlichkeitsbetrachtung sollen pro Jahr 45 100 MWh Strom erzeugt werden, sagen die Betreiber. Das entspreche 55 Prozent des Stromverbrauchs der Stadtwerke 2010. 11 400 Haushalte könnte mit Strom versorgt werden und 36 000 Tonnen CO2-Emissionen eingespart werden.

?Und was ist mit dem Vogelschutz?

!Nach ersten Gutachten der Gesellschaft für Wasserwirtschaft, Ökologie und Umweltplanung (WAGU) aus Kassel, die auch die Fulda und Geis-Renaturierung begleiten und die von führenden Ornithologen beraten wurden, gebe es in dem Gebiet aktuell keine „planungsrelevanten Vogelarten“. Schwarzstorch und Rotmilan würden dort nicht nisten, der alljährliche Vogelzug würde eher über das Fuldatal hinweg gehen.

? Wird die Landschaft „verschandelt“?

!Das liegt wohl im Auge des Betrachters. Natürlich werden die Windkraftanlagen weithin sichtbar sein. „Wir wollen sie auch nicht verstecken“, sagen Boehmer und Sauer. Auch das Klinikum, Grenzebach oder Amazon beeinträchtigten das Stadtbild. Allerdings hätten die Windräder „keine bedrängende Wirkung“, meinen die Projektpartner. Das Stadtbild werde nicht „verspargelt“, sondern es eintstehe vielmehr ein weithin sichtbares Zeichen für den Willen der Stadt, aktiv an der Energiewende mitzuarbeiten.

? Wie können sich Bürger beteiligen?

! Geplant ist, eine Bürgergenossenschaft zu gründen, sobald die Baugenehmigung vorliegt. Auch eine städtische Genossenschaft könnte Kommanditist werden, bieten die Betreiber an. Die Mindesteinlage für Bürger soll bei 1000 Euro liegen. Die Betreiber garantieren dafür eine Rendite von vier Prozent bei 20 Jahren Laufzeit.

?Was hat die Stadt davon?

!Neben dem Imagegewinn Pachteinnahmen von rund 100 000 Euro für die Überlassung des Waldes, außerdem Gewerbesteuereinnahmen.

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Weitere Infos: Windpark Bad Hersfeld KG, Am Markt 18 in Bad Hersfeld, Telefon: 06621/ 4008794 oder windpark-kg@t-onlinde.de

Von Kai A. Struthoff

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