Studie im Auftrag des Osthessischen Bündnisses gegen Altersarmut

Niedrige Löhne im Kreis Hersfeld-Rotenburg fördern Armut im Alter

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Präsentierten die Studie zum Thema Altersarmut: (von links) Michael Brand (MdB CDU Fulda/Vogelsberg), Annelore Hermes (Paritätischer), Angelika Kappe (Verdi), Michael Schmitt (KAB), Michael Wahl (Verdi) und Irene Ziegler (kfd) vom Osthessischen Bündnis gegen Altersarmut mit Prof. Dr. Frank Unger.

Hersfeld-Rotenburg. Trotz steigender Beschäftigungsquoten und vergleichsweise geringer Arbeitslosigkeit im Landkreis Hersfeld-Rotenburg, scheint das Risiko im Alter zu verarmen auch hier zu steigen. Ein Grund ist das mit Blick auf ganz Deutschland und das Bundesland Hessen unterdurchschnittliche Lohnniveau.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Prof. Dr. Frank Unger und Sascha Schur (M.A.) vom Zentrum Gesellschaft und Nachhaltigkeit der Hochschule Fulda. In Auftrag gegeben hatte die Studie das 2012 gegründete Osthessische Bündnis gegen Altersarmut.

Die Gefahr, im Alter nicht genug Geld zur Verfügung zu haben, ist in den vergangenen Jahren hessenweit gestiegen. Mit der Entwicklung von Altersarmut in den Landkreisen Hersfeld-Rotenburg, Fulda, Vogelsberg und Main-Kinzig beschäftigt sich die Studie, die am Donnerstag in Fulda vorgestellt wurde.

Für den Landkreis Hersfeld-Rotenburg gab es sowohl gute als auch schlechte Nachrichten.

Denn trotz einer guten Beschäftigungsquote, vergleichsweise wenig Arbeitslosigkeit und zurzeit nur wenigen Senioren unter der Armutsgrenze gebe es Hinweise auf steigende Altersarmut in Zukunft. Gründe dafür sind niedrige Löhne und atypische Beschäftigungsverhältnisse wie Teilzeitarbeit.

Zwei Indikatoren für die Betrachtungen waren laut Unger die relative Einkommensarmut, die wegen fehlender Daten allerdings nicht „kreisscharf“ analysiert werden könne, sowie Daten zur Grundsicherung im Alter inklusive Wohngeld, die zwar auf Kreisebene verfügbar seien, aber Dunkelziffern bergen.

Auffällig im Kreis Hersfeld-Rotenburg ist laut Prof. Dr. Frank Unger vor allem das unterdurchschnittliche Lohnniveau, das sich auf die spätere Rente auswirke, aber auch die private Vorsorge erschwere. Der auf den Mittelwert bezogene Medianlohn liege im niedrigsten westdeutschen Cluster. Zudem habe es in Hersfeld-Rotenburg von 1993 bis 2012 eine der geringsten Lohnsteigerungen in Hessen gegeben.

26,4 Prozent der Beschäftigten arbeiten im Niedriglohnbereich. Bundesweit betrage dieser Wert 20,4 und hessenweit 17,2 Prozent. Als niedrig gilt ein Stundenlohn von 9,50 bis 10 Euro – der Niedriglohn liegt somit über dem gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro.

Arm beziehungsweise armutsgefährdet ist einer gängigen Definition nach, wer weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens der Gesamtbevölkerung zur Verfügung hat, zwischen 869 und 1000 Euro.

Von einer „bedauerlichen Entwicklung“ sprach Angelika Kappe, Verdi-Geschäftsführerin Osthessen. Und sie stellte fest: „Für eine gute Rente ist eine möglichst gute Erwerbsbiografie ohne Brücken und Lücken entscheidend.“

„Der Mindestlohn reicht nicht“, warnte Michael Schmitt von der KAB, zudem sei ein Systemwechsel beim Rentenmodell nötig. Auf die Gefährdung speziell von Frauen, die häufiger von Betreuungsauszeiten oder Teilzeitarbeit betroffen seien, wies Irene Ziegler von der kfd hin.

Alle Bündnis-Vertreter kündigten an, sich auf Grundlage der Studie nun über weitere Schritte und Handlungsmöglichkeiten Gedanken zu machen und den Kontakt zur Politik zu suchen. (nm)

Osthessisches Bündnis gegen Altersarmut

Das Osthessische Bündnis gegen Altersarmut hat sich im September 2012 offiziell gegründet. Ihm gehören folgende regionale Organisationen und Gruppierungen an: der Sozialverband VdK Hessen-Thüringen, Arbeiterwohlfahrt, die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi), die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) und die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) Diözesanverband Fulda, der Paritätische Hessen Kreisgruppen Fulda, Hersfeld-Rotenburg, Vogelsberg, der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und Attac. 

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