Nicht jeder, der in Bad Hersfeld heiratet, ist durchschnittlich – Mit ACDC oder Pferd

Mit über 70 noch getraut

Bad Hersfeld. Viele Paare, die sich in Bad Hersfeld trauen lassen, sind Durchschnitt – aber längst nicht alle. Das zeigt ein Blick in die Statistik, und das weiß Standesbeamter Matthias Heyer aus Erfahrung.

3,9 Jahre trennen deutsche Ehepaare im Schnitt – hat kürzlich das Statistische Bundesamt mitgeteilt. „Und das trifft so in etwa auch auf Bad Hersfeld zu“, sagt Heyer. Es gibt aber eben auch Ausnahmen. Der größte Altersunterschied in den vergangenen fünf Jahren seien 27 Jahre gewesen, mit einem Bräutigam um die 50. „20 Jahre kommen schon mal vor, aber das ist doch eher unüblich“, berichtet Heyer.

Beim Alter, in dem die Liebenden sich trauen lassen, liegen die Paare ebenfalls im deutschland- und hessenweiten Durchschnitt. „Die Menschen heiraten heute später und sind in der Regel um die 30 Jahre alt“, weiß Heyer, wobei die Männer meist etwas älter sind als die Frauen. Über 70 Jahre alt war das älteste Pärchen, das bislang von Heyer getraut wurde. „Nach 40 Jahren Verlobung können wir jetzt auch heiraten, hat der Bräutigam mir damals gesagt“, erinnert sich der Standesbeamte schmunzelnd. Das jüngste Paar war gerade mal 21 und 17 Jahre alt, sodass die Braut die Zustimmung des Familiengerichts benötigte.

Etwa 130 bis 150 Ehen werden pro Jahr in Bad Hersfeld geschlossen, wobei längst nicht alle Paare aus der Kur- und Festspielstadt kommen. „30 bis 40 Paare davon kommen von auswärts“, schätzt der Standesbeamte. Häufig weil die Familie hier lebt, aber auch weil Bad Hersfeld günstig in der Mitte Deutschlands liegt.

Das Kurhaus ist gefragt

Sehr gut angenommen würde die seit 2009 bestehende Möglichkeit, sich im Kurhaus trauen zu lassen. Neben dem Trauzimmer am Markt 16 steht außerdem das Schloss Eichhof zur Verfügung. Die beliebtesten Tage sind der Freitag und der Samstag.

Die Anfragen für Trauungen kommen inzwischen fast ausschließlich per E-Mail – manchmal sogar schon zwei Jahre im Voraus. Die offizielle Anmeldung muss allerdings nach wie vor persönlich erfolgen, höchstens ein halbes Jahr vor dem Termin. Die Kosten rund um die standesamtliche Eheschließung sind in der hessischen Verwaltungskostenordnung festgelegt, für besondere Locations können allerdings Mehrkosten entstehen, so auch für Trauungen am Eichhof oder im Kurhaus.

Um die Möglichkeiten der Eheschließung in Bad Hersfeld auch über die Stadtgrenzen hinaus stärker zu bewerben, soll demnächst auch die überregionale Vermarktung noch weiter angekurbelt werden.

Matthias Heyer ist seit 2008 als Standesbeamter im Einsatz, über 300 Paare hat er in dieser Zeit schon getraut. Und an einige Trauungen erinnert er sich besonders gut. So habe ein Paar zum Beispiel darauf bestanden, dass auch er als Standesbeamter ganz leger in Jeans erscheinen solle, beim „Einmarsch“ ertönte „Highway to hell“ von ACDC. Auch eine Hochzeit, bei der sowohl das Brautpaar als auch einige Gäste hoch zu Pferd kamen, ist Heyer noch gut im Gedächtnis. „Wir versuchen prinzipiell alles zu ermöglichen und kein Spaßverderber zu sein“, betont Heyer.

Nein hat übrigens noch niemand gesagt, der vor Heyer saß. „Verspätungen kommen immer wieder vor, aber das gibt es nur im Kino“, sagt der Standesbeamte lachend.

Von Nadine Maaz

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