Sophia Lendowski aus Bad Hersfeld hat ein Rotary-Austauschjahr in Brasilien verbracht

TV-Total in Rio Preto

Grenzerfahrung in Amazonien: Sophia mit Flagge.

Bad Hersfeld. Mit 17 hat man noch Träume – und große Reiseziele. Sophia Lendowski hat sich beworben und ist vom Rotary Club Bad Hersfeld im Rahmen eines internationalen Austauschprogramms für ein Jahr in Gastfamilien nach Brasilien entsendet worden. Kurz vor ihrer Rückkehr berichtet die Schülerin aus Bad Hersfeld für unsere Zeitung von ihren Eindrücken:

Meine Stadt São José do Rio Preto ist eine schöne Stadt mit vergleichsweise eher wohlhabenden Einwohnern. Ich hatte mir das Leben in Brasilien viel gefährlicher und mit deutlich mehr Einschränkungen vorgestellt. Aber Rio Preto gilt als relativ sicher, und die Menschen können sich weitgehend uneingeschränkt bewegen. So kann man tagsüber alleine auf den Straßen herumlaufen, und abends geht das in Begleitung von Freunden ebenso.

Schule mit Uniform

Ich besuche hier die so genannte Tecero-Stufe der Privatschule „Copec“. Der Schultag fängt bereits um 7 Uhr an, und alle tragen eine Schuluniform. Der Lehrplan unterscheidet sich deutlich, denn Fremdsprachen spielen eine eher untergeordnete Rolle. Und Mathe, so habe ich den Eindruck, wird hier ganz anders vermittelt. Insgesamt erlebe ich den Unterricht passiver als in Deutschland, es gibt fast ausschließlich Frontalunterricht. Auch der Alltag in meiner ersten Gastfamilie verlief deutlich anders, als ich es aus Deutschland gewohnt war. Als gravierenden Unterschied empfand ich, dass ständig und überall der Fernseher lief. Sogar in der Küche stand ein Gerät, und die erste Tat am frühen Morgen bestand darin es einzuschalten. Gerade bei den gemeinsamen Mahlzeiten empfand ich das als sehr störend.

Es fiel mir anfangs nicht leicht mich einzugewöhnen, und ich hatte manchmal Sehnsucht nach zu Hause. Das lag wohl in erster Linie an den sprachlichen Barrieren, denn mein spärliches Portugiesisch zum Reiseantritt reichte definitiv nicht aus. Ich hatte mit der Verständigung echte Probleme und konnte in den ersten Wochen so gut wie nichts verstehen. Und wenn ich portugiesisch sprach, verstand mich erst recht niemand! Das war absolut frustrierend und isolierend. Mittlerweile verstehe ich alles, und es klappt mit der Verständigung sehr gut.

Wechsel der Gastfamilien

Im Konzept des rotarischen Schüleraustausches ist vorgesehen, dass man innerhalb des Auslandjahres in drei oder vier Gastfamilien lebt. Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich meine zweite Gastfamilie kennen lernen durfte. Und obwohl ich die meiste Zeit mit meinen Gasteltern allein verbrachte, da meine Gastbrüder studierten oder ihrerseits ein Auslandsjahr absolvierten, habe ich mich bei ihnen unglaublich wohl gefühlt. Sie haben mich wie eine eigene Tochter aufgenommen.

Derzeit lebe ich in meiner dritten und letzten Gastfamilie. Hier fühle ich mich zwar auch wohl, dennoch ist das Familienleben und der Umgang untereinander nicht so offen und herzlich geprägt. Als sehr wertvoll erlebe ich die vielen Kontakte zu den anderen Jugendlichen aus aller Welt, die das Programm von Rotary International als Botschafter der örtlichen Clubs mitmachen. Wir treffen uns regelmäßig, unter anderem zu Rotary-Veranstaltungen und um zu Reisen, unsere gemeinsame Sprache ist Englisch.

Zwei meiner besten Freundinnen sind bereits wieder zurück in ihre Heimat nach Australien und Mexiko gereist, aber wir planen jetzt schon unser Wiedersehen. † Bericht unten

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