Festspielkonzerte: „Duo b’elle canto“ mit Oboe, Harfe und Klangfrüchten

Tutti frutti aus Italien

Opernmusik in geschmeidigem Stil: Camille Levecque an der Harfe (links) und Silke Augustinski mit ihrer Oboe. Foto: Naumann

Bad Hersfeld. Natürlich trugen die beiden Damen bodenlange, aber schulterfreie Roben. Samstägliche Sommerhitze im Johann-Sebastian-Bach-Haus, doch die Oper wollte auch ihr Recht. Die Oper dort? Ja sicher, denn das instrumentale „Duo b’elle canto“ hatte zwei Wochenendprogramme im Rahmen der Festspielkonzerte 2013 opernmäßig angerichtet.

Namensgerecht, wie sich versteht. Denn in „b’elle canto“ steckt „Belcanto“ (schöner Gesang), jene erlesene weltliche Art der Gesangskunst, die in der Barockzeit bei Händel und den Italienern einen ersten Höhepunkt erklomm und dann den absoluten 100 Jahre später bei Rossini, Donizetti, Bellini und dem frühen Verdi.

Im Ensemblenamen „b’elle canto“ verbirgt sich aber auch das französische Personalpronomen „elle“ = sie. Komplet weiblich also Silke Augustinski mit ihrer Oboe und Camille Levecque mit ihrer Harfe. Beide Musikerinnen aus Fulda und Paris studieren an der Musikhochschule Würzburg im Aufbaustadium und schnuppern nebenbei bereits ins Orchester hinein.

Das ansehnliche Publikum am Samstag im Bach-Haus erfuhr seinerseits, wie gut die Oboe mit ihrem geraden, klaren, festen Ton und die Harfe mit ihrem schwebenden, luftigen, ja flauschigen Klang im Zusammenspiel sich vertragen. Wie gut, geradezu opernhaft wehmuts- und sehnsuchtsvoll, aber auch energisch und vital die Oboe zu singen vermag und wie wohlig die Harfe solchen Gesang in ihr dezentes Liniengeflecht und Akkordgepräge hüllt.

Wer fragt, wo denn im Opernland die instrumentalen tutti frutti wachsen, dem sei gesagt: ganz einfach als Ableger, die man sich damals oder heute ein bisschen zurechtzüchtet. Beispielsweise die Fantasie op. 57, die ein gewisser Henri Brod (1799-1839) über die Wahnsinnsarie aus Donizettis Oper „Lucia di Lammermoor“ anfertigte. Oder das Auftrittslied des Turiddu „O Lola ch’ai di latti“ aus Mascagnis „Cavalleria rusticana“. Dazwischen streuten die Musikerinnen genuin Instrumentales, sogar rein Solistisches, etwa Louis Spohrs Fantasie c-Moll op. 35 für Harfe oder den beliebten „Schwan“ aus Camille Saint-Saens großer zoologischer Fantasie „Der Karneval der Tiere“, mit dem die Oboistin ihr tieferes Instrument, das Englischhorn, vorführte.

Alles in allem die genussreiche Erfahrung, dass Musik immer dann gefällt, wenn sie kenntnisreich zusammengestellt und wenn sie mit Können, Geschmack und individueller Nuance dargeboten wird.

Hier, bei diesen Hitzegraden, bevorzugten Silke Augustinski und Camille Levecque einen weichen, geschmeidigen Stil und entließen die Zuhörer mit dem zugegebenen Menuettsatz aus einer Sonate von Karl Friedrich Abel (1723-1787).

Von Siegfried Weyh

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