Wochenendporträt: Helmut Fischlein wurde zum Erfinder für die Tiergesundheit

Ein Turnschuh für Pferde

Moderne trifft auf tausendjährige Tradition: Helmut Fischlein mit einem klassischen Hufeisen und zwei von ihm erfundenen Kunststoffteilen für die Hufe, die der Gesundheit des Pferdes dienen sollen. Foto:  Meyer

Rotenburg/Ludwigsau. Als sein Pferd krank wurde und in den Schlachthof sollte, da wurde Helmut Fischlein aus Ludwigsau zum Erfinder. Er entwickelte einen Kunststoffkeil, der zwischen Huf und Hufeisen liegt und Erschütterungen abfängt. Das ist jetzt 17 Jahre her. Araberhengst Ringon ist 30 Jahre alt, nicht gesund, aber lebendig und schmerzfrei.

Seither bastelt Fischlein am perfekten Pferdeschuh. Über jede noch so kleine Eigenheit des Pferdehufs hat er sich Gedanken gemacht und diese Gedanken in Erfindungen umgesetzt, die dem klassischen Hufeisen den Krieg erklären. Jetzt hat Helmut Fischlein wieder ein Patent angemeldet.

Ringons Krankheit heißt Gleichbeinarthrose. Fischlein war mit dem Tier über 20 000 Kilometer geritten. „Das Hufeisen gerät beim Auftreten in Schwingungen mit einer Frequenz von 800 Hertz“, erklärt er. „Diese Schwingungen übertragen sich auf den Huf und die Knochen.“ Knochen und Sehnen wurden krank. Ringon lahmte.

Den Stoß dämpfen

Fischlein bestellte Ledereinlagen aus den USA, die den Stoß dämpfen sollten, aber sie gingen kaputt. Also half Fischlein sich selbst. Eine der Erfindungen, die er seitdem gemacht hat, ist der sogenannte Kunststoffhufbeschlag. Das ist ein kompaktes ovales Plastikteil mit Noppen und einer Art Kunststoffgeländer, das den Huf umfasst.

Fischlein erklärt diesen „Turnschuh für Pferde“, wie er sagt. Er ist vorn angebogen, damit das Pferd abrollen kann: „Das entspricht der Hufform.“ Im Gegensatz zum Hufeisen ist das Plastikteil hinten geschlossen, damit der hintere Teil des Hufs, der sogenannte Strahl, geschont wird. Das Noppenprofil sorgt dafür, dass das Pferd nicht rutscht. Der Kunststoff ist durchsichtig, sodass der Schmied sieht, wohin er den Nagel schlägt. Das Pferd muss nur noch ein Drittel des Gewichts eines Hufeisens heben.

Fischleins neuestes Patent nennt er Abtretschutz. Es ist wieder ein Kunststoffteil, das zwischen Huf und Eisen gehört. Der hochstehende Rand sorgt dafür, dass das Pferd sich nicht mit dem Hinterhuf das vordere Eisen abtreten kann.

Es ist nicht ganz leicht, auf diese Weise die Reitwelt zu revolutionieren. „Die Schmiede lieben ihr Eisen“, sagt Fischlein. „Das ist eine 1000 Jahre alte Tradition.“

Er hat einen dicken Ordner mit Ausschnitten aus Zeitschriften und Briefen. Darin diskutiert die Fachwelt auf deutsch, englisch und französisch die Vor- und Nachteile von Fischleins Erfindungen, die er unter dem Markennamen Marathons vertreibt. Ein Mann aus Essen probierte zahllose Varianten aus und war schließlich glücklich mit einem Produkt von Helmut Fischlein: „Seitdem geht meine Traberstute Mesirah mit Pantoffeln, und ich bin froh, nicht so schnell aufgegeben zu haben.“

Von Achim Meyer

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