Gesundheit geht vor: Im Physiocenter trainiert auch die ältere Generation fleißig

Fit wie ein Turnschuh

Flottes Tempo in netter Gesellschaft: Simona Rhöse (44) und Eckhard Reichhardt (60) schwitzen auf dem Crosstrainer, um ihre Kondition zu verbessern und sich somit auch in der Winterzeit fit zu halten. Fotos: Skrzyszowski

Bad Hersfeld. Draußen ist es kalt und grau, die Pfützen stehen in den Asphaltmulden auf den Straßen und nur wenige Menschen sind im Kurpark unterwegs. Aber durch den Flur des Physiocenters in Bad Hersfeld hallen Stimmen und das schleifende Geräusch der Laufbänder, die Gewichte klirren.

Im Fitnessbereich ist von der grauen Herbstatmosphäre vor der Tür nichts zu sehen. Die meisten Trimmsgeräte sind in Bewegung, die Trainierenden unterhalten sich und wischen sich mit ihren Handtüchern den Schweiß von der Stirn.

Nebenbei dudelt das Radio und der betreuende Physiotherapeut Ingo Kirsche eilt zwischen den einzelnen Geräten umher, um bei der Umsetzung der individuellen Trainingsprogramme behilflich zu sein. Diese Aufgabe teilt er sich schichtweise mit seinem Kollegen Adam Kolodziejczyk.

Beweglich bleiben

Während er einer Patientin ein Fitnessgerät einstellt, erzählt Ingo Kirsche, dass gerade in den Wintermonaten besonders viel los sei. „In der Woche kommen etwa 300 jüngere und ältere Sportler ins Physiocenter, die präventiv etwas für ihre Gesundheit tun wollen, auf Rezept medizinische Trainingstherapie oder gerätegestützte Krankengymnastik in Anspruch nehmen oder zur Rehabilitation nach Operationen.

„Ich komme gleich zu Ihnen!“ ruft der Physiotherapeut. Er geht zu einem älteren Herren, der darauf wartet, seine Übungen fortsetzen zu können.

Es ist offensichtlich: Auch die ältere Generation will sich fit halten und trainiert fleißig. „Die Knochen werden älter und sind nicht mehr so beweglich. Die gezielten Übungen an den Geräten tun mir gut“, sagt Fritz Möhle, 74 Jahre, aus Bad Hersfeld. Bewegung sei das A und O, um nicht einzurosten, fügt er noch hinzu, während er seine Beinmuskulatur kräftigt.

Der Meinung ist auch Horst Schäfer, 63 Jahre, aus Nentershausen: „Ich hatte schon mehrere Bandscheibenvorfälle und dank der Physiotherapie und des regelmäßigen Trainigs konnte ich bisher auf eine Operation verzichten.“ Seit 13 Jahren tut er etwas für seine Gesundheit und da er jetzt in Altersteilzeit ist, fährt er dafür zweimal pro Woche jeweils 60 Kilometer nach Bad Hersfeld.

Ab und zu öffnet sich die Tür und die Leute verlassen geschwitzt, mit Handtüchern im Nacken und Trinkflaschen in der Hand, den Fitnessbereich. Andere wärmen sich zunächst auf Crosstrainern, Fahrrädern und Laufbändern für die anschließende Trainingseinheit auf.

Auch der 62-jährige Walter Schwarz überwindet gerade seinen inneren Schweinehund. Die Schweißperlen stehen ihm auf der Stirn: „Wenn die ersten Wehwechen kommen, wird es Zeit etwas dagegen zu tun. Auch wenn ich mich manchmal überwinden muss, werde ich weiterhin regelmäßig trainieren“, erklärt er und unterbricht seine Übungen für eine kleine Verschnaufpause.

Hin und wieder weht der Duft eines Desinfektionsmittels durch den Raum. In der hintersten Ecke des Fitnessbereichs rattert ein Laufband, auf dem zwei Turnschuhe um die Wette rennen. Die gehören zu Eckhard Reinhardt aus Ausbach. Der 60-Jährige nutzt seine Mittagspause, um seine Kondition für die Fahrradsaison im Frühjahr aufrechtzuerhalten.

Mehr als Therapie

In der Mittagszeit ist es im Physiocenter ruhiger geworden. Ingo Kirsche setzt sich auf die Hantelbank und stellt fest: „Das Schöne an meinem Beruf ist, dass er nicht langweilig wird, weil jeder Tag anders ist. Man hat mit jüngeren sowie älteren Menschen Kontakt und baut ein freundschaftliches Verhältnis auf, das über die therapeutische Arbeit hinaus geht.“

Von Nina Skrzyszowski

Kommentare