250 Dinge, die wir an der Region mögen: Der höchste Punkt – Teil 3 der neuen Serie

Die Türme des Eisenbergs

Manchmal verwandelt der Winter den Eisenberg in eine Zauberwelt. Von dem 24 Meter hohen Borgmannturm hat man bei so einem Wetter eine wunderschöne Aussicht „übers ganze Land“. Foto: Löwenberger

Kirchheim. Bereits aus großer Entfernung markiert der Fernmeldeturm der Deutschen Post die Position der höchsten Erhebung des Knüllgebirges, den 636 Meter hohen Eisenberg. Kaum mehr sichtbar zwischen den Baumwipfeln ist hingegen der historische Borgmannturm, das eigentliche Wahrzeichen des Eisenbergs.

Benannt ist dieser Turm nach dem Forstmeister und Gründer des Knüll-Clubs im Jahre 1884 (heute Knüllgebirgsverein, KGV) Hugo Bergmann (26. April 1841 bis 3. Januar 1906). 1893 wurde der Beschluss gefasst, einen Aussichtsturm auf dem Berg zu errichten, und bei dessen Einweihung im Dezember 1894 der Name „Borgmannturm“ vergeben. Die Hersfelder Zeitung widmete dem Ereignis damals eine ganze Seite und schrieb dazu: „Unter der Führung des bewährten Präsidenten und Gründers des Clubs, des hochverdienten Forstmeisters Borgmann zu Oberaula, möge der Knüll-Club noch lange blühen und zur Hebung des Fremdenverkehrs in diesem viel zu wenig bekannten Gebirge wie bisher segensreich beitragen!“ Der 18 Meter hohe hölzerne Turm hielt allerdings nur etwa zwölf Jahre und so erfolgte bereits im Jahr 1912 die Grundsteinlegung für den massiv gebauten neuen 24 Meter hohen Turm. Angegliedert war zunächst eine einfache Schutzhütte, die 1950 zu einem Wanderheim, dem Heußner-Haus umgebaut wurde. Anfang der 60er-Jahre fanden dann auch Strom und Wasser den Weg auf den Eisenberg. 1974 wurde der jetzt wieder in Betrieb genommene Berggasthof gebaut und drei Jahre später siedelte Hannover sein Feriendorf am Hang des Eisenberges an.

Obwohl der Weg zum höchsten Berg im Kreis beschwerlich war, wanderten früher besonders zu Feiertagen wie dem 1. Mai oder Christi Himmelfahrt wahre Heerscharen hinauf, um oben eine Bratwurst zu essen, ein Bier oder eine Limo zu trinken oder an Freiluft-Gottesdiensten teil zu nehmen. Der Turmaufstieg über die enge Wendeltreppe auf die Aussichtsplattform gehörte dabei zum Pflichtprogramm.

Heute ist der Eisenberg über die Kreisstraße 34 über Kirchheim-Willingshain oder Neuenstein-Raboldshausen ganzjährig leicht erreichbar und lockt im Winter mit der nächstgelegenen Skipiste und manchmal auch mit atemberaubenden Landschaftsbildern. Aber auch zu anderen Jahreszeiten ist der Eisenberg mit seinen Wanderwegen ein spannendes Ziel und hält manch überraschenden Blick nicht nur in die Ferne, sondern auch in die Vergangenheit bereit. Und ein Aufstieg auf den Borgmannturm lohnt alle Mal. Bei guter Sicht kann man bis in die Rhön, den Vogelsberg, ja sogar bis in den Taunus, den Westerwald und das Rothaargebirge blicken. Die Zukunft des 1974 erbauten 124 Meter hohen Fernmeldeturms scheint dagegen ungewiss. Nachdem immer mehr Funksignale den Weg durch das All nehmen und per Satellit angeliefert werden, hat die Zahl der Antennen deutlich abgenommen. Vielleicht findet sich ja jemand, der den Turm zum Aussichtsrestaurant umbaut. Ob man dann bis zu den Alpen gucken kann?

Von Bernd Löwenberger

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