"Der Datterich" im Eichhof

Ein Trunkenbold zum Gernhaben

Philosophieren im Wirtshaus: Datterich, Dummbach und die Damen. Von links: Heinz Holzauer, Helmut Markwort, Waltraud Holzhauer und Sonja Hess

Bad Hersfeld. Eigentlich ist er ein ganz netter Kerl, dieser Datterich. Er schwätzt gern, er trinkt gern, er mag die Frauen - einer wie du und ich eben. Weil er aber zu oft zu tief ins Glas guckt, hat er seinen Job als Finanzbeamter verloren. Jetzt ist er abgebrannt und schnorrt sich charmant und intelligent durch die Wirtshäuser Darmstadts.

Als er dort den ehrgeizigen Drehergesellen Schmidt (Felix Hotz) trifft, wittert er seine Chance. Der Datterich verspricht, ihm dabei zu helfen, endlich Meister zu werden. Denn dann könnte er auch die Tochter Marie (Sonja Hess) seines Lehrherren Dummbach (Helmut Markwort) heiraten.

Doch der Datterich (Heinz Holzhauer, der auch Regie führt) übertreibt es, bringt als Nebenbuhlerin das schöne Evchen (Julia Haase) ins Spiel, die aber die beste Freundin Marie nicht hintergehen will. Es kommt zu allerlei Verwirrungen, Erpresserbriefen und gar zum Duell - eine Lokalposse aus dem Jahr 1839 eben.

Was das Stück von Ernst Elias Niebergall, das noch bis Sonntag im Rahmen der Bad Hersfelder Festspiele im Eichhof läuft, so besonders macht, ist das Ensemble. Es besteht ausschließlich aus mehr oder weniger prominenten Laienschauspielern. Der bekannteste ist Focus-Mitherausgeber Helmut Markwort.

Der gebürtige Darmstädter spielt den Dummbach und dabei auch irgendwie sich selbst. „Ich geh nicht gern an Orte, wo man keine Zeitung zu lesen kriegt“, ist gleich der erste Bühnensatz des gebürtigen Darmstädters. Und fortan gibt er den jovialen Welterklärer, wie man ihn aus Fakten, Fakten, Focus kennt - diesmal nur mit Zylinderhut.

Der Datterich, den der emeritierte Jura-Professor Heinz Holzhauer schrullig und liebenswert spielt, kann einem fast leidtun, wenn er in der Hosentasche nach Geld gräbt und doch längst durchschaut ist. „Nehmen Sie doch die Hand aus dem Sack, ich weiß doch, wie die Aktien stehen“, sagt ihm die lebenskluge Wirtin Lisette.

Auch in den Nebenrollen gibt es bekannte Gesichter zu sehen. So poltert und stolpert der ARD-Börsenexperte Frank Lehmann als halbblinder Schuhmacher Bengler umher. Der gebürtige Bad Hersfelder Ottmar Berbalk, der als Journalist bei HZ und HNA, Stern und Focus gearbeitet hat, gibt den freundlich-nachsichtigen Steifschächter.

All das kommt recht komisch daher, täuscht aber nicht darüber hinweg, dass es sich bei diesem Datterich eben um Laien-Theater und noch dazu in Mundart handelt. Mancher Wortwitz des Stückes wird deshalb einfach nicht verstanden - und zwar aus Gründen des Dialekts, wie auch aus akustischen Gründen.

Unnötige Längen erhält das Stück durch langwierige Umbauszenen nach jedem Bild. Dabei werden die drei Jungs, die fleißig Sessel und Bänke schleppen und jedesmal aufs Neue liebevoll den Tisch decken, fast schon zu heimlichen Stars und erhalten zum Schluss auch ihren Beifall.

Das Premieren-Publikum applaudiert am Ende freundlich und denkt wohl insgeheim: Lachen. Lachen? Lachen!

„Der Datterich“ wird noch bis Sonntag, Juli, jeweils ab 21 Uhr im Eichhof gespielt. Alle Vorstellungen sind fast ausverkauft. Einige wenige Restkarten gibt es noch an der Abendkasse.

Von Kai A. Struthoff

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