Kantaten bei den 41. Internationalen Bach-Tagen – Solisten punkteten

Von Trübsal und Freude

Beim Kantatenkonzert am Ostersonntag im Bach-Haus mit Dirigent Siegfried Heinrich (vorne rechts im Bild) sparte das Publikum nicht mit Applaus. Foto: Naumann/nh

BAD HERSFELD. Leidenschaftlich mit Musik von trotzig düsterem Charakter begann am Ostersonntag das Konzert im Johann-Sebastian-Bach-Haus bei den „41. Internationalen Bach-Tagen in Hessen und Thüringen“. Professor Siegfried Heinrich, der künstlerische Leiter des Festivals, dirigierte die Kantate „Wir müssen durch viel Trübsal“ BWV 146.

Bach-Kennern war deren großdimensionierte Einleitung aus einem anderen Zusammenhang vertraut: Als erster Satz des Cembalokonzerts d-Moll BWV 1052, den Bach hier als Sinfonia verwendet. Ein kunstvolles Neu-Arrangement ist der darauf folgende Kantatenteil, denn der zweite Satz des Cembalokonzerts bildet die Grundlage für den Chor „Wir müssen durch viel Trübsal in das Reich Gottes eingehen“. Bach hat mithin zu einer bestehenden Instrumentalkomposition neue Stimmen hinzukomponiert – ein Beispiel für seine Ehrfurcht erweckende Meisterschaft.

Schlanker Barock-Klang

Souverän musizierte Jens Amend an einer kleinen Orgel sein anspruchsvolles Solo im pulsierenden Zusammenwirken mit den Virtuosi Brunenses, die anders als am Karfreitag bei Georg Philipp Telemanns Lukaspassion historische Instrumente spielten. Unter Heinrichs Leitung sorgten die Musiker, unter denen die Bläser ein besonderes Lob verdienen, für einen schlanken Barock-Klang.

Hinzu kamen die jungen Stimmen des Kiewer Knabenchores um dessen Leiter Ruben Tolmachov sowie vier überzeugende Gesangsolisten. Nachdem Anna Retczak ihre Alt-Arie verlässlich dargeboten hatte, wussten die anderen noch mehr einzunehmen: Julie Grutzka mit agilem, hellem Sopran, Tenor Stephan Scherpe mit Glanz und Geschmeidigkeit und Bariton Florian Dengler, der mit Scherpe in dem Duett „Wie will ich mich freuen“ markante Akzente setzte.

Von der Trübsal zu Freude führte die erste Kantate, und nach einem beschwingten Intermezzo mit einem Orgelkonzert Georg Friedrich Händels erklang die gewissermaßen protestantischste aller Bach-Kantaten: „Ein feste Burg ist unser Gott“ BWV 80, die auf dem gleichnamigen Luther-Choral basiert.

Ihr Eingangschoral gilt zu Recht als einer der Höhepunkte von Bachs Choralbearbeitungen. Der Kiewer Knabenchor brachte darin seine Qualität zur Geltung und machte die beeindruckend kunstvolle Mehrstimmigkeit transparent – dabei hoben sich freilich die Stimmgruppen stärker voneinander ab, als dass sie zum Gesamtklang verschmolzen.

Zu punkten vermochten erneut die Solisten Grutzka, Retczak, Scherpe und Dengler. Und das optische Interesse – ein Nebeneffekt bei historischen Instrumenten – kam nicht zu kurz. Unter anderem bei einer Oboe da caccia, der archaisch anmutenden, gekrümmten Jagdoboe.

Veranstaltet wurde das Osterkonzert vom Förderkreis des Hessischen Kammerorchesters. Nach der festlichen Musik sparten die 80 Zuhörer im Bach-Haus nicht mit Beifall.

Von Georg Pepl

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