Jugendschöffengericht: Geldauflage statt Strafe für Disco-Schläger aus Bad Hersfeld

Ein Trostpflaster für das Opfer

Bad Hersfeld. Im Normalfall wäre der Angeklagte wegen Körpeverletzung verurteilt worden. Denn es stand außer Frage, dass der 21 Jahre alte Hersfelder am 24. Januar dieses Jahres in einer örtlichen Diskothek einen 32-jährige Frau geschlagen hatte. Ob mit der flachen Hand oder der Faust war hingegen schon fraglich, aber das Opfer hatte nachher ein ärztlich attestiertes Veilchen.

Doch das Drumherum der im Kern grundlosen Auseinandersetzung ließ sich gestern vor dem Jugendschöffengericht schon nicht mehr richtig aufklären.

Aussage gegen Aussage

Denn ob die Geschädigte nur wegen einer flapsigen Bemerkung mit dem 21-Jährigen aneinander geraten war, oder ob sie mit ihrer Schwester vorher bereits in eine andere Auseinandersetzung verwickelt und dann ihrerseits auf den Angeklagten losgegangen war, da stand vor Gericht Aussage gegen Aussage.

Zwar hätte alleine der unbestrittene Schlag ins Gesicht der 35-Jährigen für eine Verurteilung gereicht, doch der Vorschlag für eine salomonische Lösung kam schließlich von Jugendgerichtshelfer Helmut Licht. Der Angeklagte sei „kein Schlägertyp“, attestierte Licht dem 21-Jährigen, der freilich schon eine ganze Liste von Vorbelastungen „querbeet“ durch das Strafgesetzbuch mitgebracht hatte. Deswegen sei hier ein „Täter-Opfer-Ausgleich“ angezeigt, schlug Licht vor, und dann könne das Verfahren eingestellt werden. Das Gericht unter Vorsitz von Dr. Rolf Schwarz, Staatsanwalt Stephan Müller-Odenwald und Verteidiger Thomas Rath sahen es am Ende genauso. So blieb dem Angeklagten eine weitere Verurteilung erspart, und sein Opfer bekommt in den nächsten Tagen 300 Euro überwiesen.

Von Karl Schönholtz

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