So gerüstet gehen die Spanier aus Hersfeld-Rotenburg ins Fußball-WM-Halbfinale

Trommeln für die Tore

Der Rodriguez-Clan aus Hersfeld stimmt sich aufs Anfeuern heute Abend ein: (von links) Estrella, Isabel, Laura, Sophia, José Antonio, Lisa mit Alejandro, Juan Manuel, Maria Isabel und Jesus Rodriguez. Foto: privat

Bad Hersfeld / Bebra. Das Fußballfieber geht weiter: Wenn Jogis Jungs heute Abend gegen die Spanier antreten, sitzen nicht nur die Deutschen gebannt vor Leinwänden und Fernsehern. Auch die Spanier, die hier im Landkreis leben, fiebern selbstverständlich mit. So wie Jesus Rodriguez aus Bad Hersfeld, der schon Flaggen, Make-Up und Trommeln bereit gelegt hat.

„Wir werden uns das Halbfinalspiel mit vielen spanischen Freunden ansehen, zum Beispiel mit Familie Garcia. Aber hier in Bad Hersfeld gibt es ja nicht mehr viele spanische Familien, insgesamt vielleicht zehn“, sagt Rodriguez. Aus diesem Grund kurvte er zusammen mit seiner Schwester, Verwandten und Freunden zum jüngsten Spiel der Furia Roja gegen Paraguay am Samstag extra bis nach Frankfurt. „Wenn wir hier auf die Straße gehen, um zu feiern, machen vielleicht hundert Leute mit. In Frankfurt waren es zwei- oder dreitausend. Das war der Hammer“, sagt Rodriguez. Aus diesem Grund werden die Hersfelder wohl auch heute wieder ausrücken, um ihre Mannschaft anzufeuern.

Feiern bei jedem Ergebnis

„Aber so wie unsere Mannschaft im Moment spielt, denke ich, dass die Deutschen gewinnen, wahrscheinlich 2:0. Mehr Tore kriegen wir nicht.“ Torwart Iker Casillas sei nämlich der einzige Mann, der seine Leistung seit der Europameisterschaft gehalten hat. „Egal, wie es ausgeht, wir feiern“, verspricht Rodriguez.

Mehr spanische Familien als in Bad Hersfeld sind in Bebra ansässig. Da wird auch groß gefeiert, und zwar im im spanischen Kulturzentrum. 40 bis 50 Zuschauer hatten die Übertragungen der WM-Spiele der spanischen Elf in den vergangenen Tagen und Wochen, sagt Antonio Aguilera Delgado, Obmann des spanischen Fußballvereins Real Español Bebra.

Auch Delgado, der übrigens auf 2:1 für die Iberer tippt, will sich das Spiel dort anschauen. Und eine spanische Flagge am Gebäude an der Kasseler Straße in Bebra soll auch aufgehängt werden, sagt Vorsitzender Delgado. Allein wird aber auf keinen Fall gefeiert, ist er sich sicher: Auch deutsche Fußballfans werden sich wohl einfinden - bei Real Español gibt es einige deutsche Spieler. Und Akteure des türkischen Lokalrivalen Gazi Antep Bebra werden ebenfalls erwartet. Viele von ihnen kennen die spanischen Fans laut Delgado über ihre Arbeitsstellen.

Es geht auch ohne Trikot

Bei Juan Trivinio Arroyo, dem die Weingalerie am Bad Hersfelder Kirchplatz gehört, geht es etwas beschaulicher zu. „Ich werde mir das Spiel zusammen mit meiner Frau und meiner Tochter im Fernsehen ansehen“, sagt er. Flaggen hissen, bunte Bemalung und ein Trikot der spanischen Elf: Das brauche er alles nicht, betont er und schüttelt den Kopf. „Natürlich stehe ich hinter den Spaniern, aber es ist schade, dass es bei dieser WM so viel Anti-Fußball gezeigt wurde. Die Mannschaften blockieren sich gegenseitig, sodass es nicht viel kreativen Fußball zu sehen gab. Das ist nervig für mich als Zuschauer“, sagt der Spanier. Aber es freue ihn, dass so viele Frauen bei den Weltmeisterschaftsspielen mitfieberten.

Im Fall von Isabel Rodriguez ist das noch untertrieben. Sie feuert die spanische Elf nicht nur an, weil die Atmosphäre während der WM sich ändert. Sie steht leidenschaftlich hinter den Spaniern. „Ich war extra in Spanien, bin von Dorf zu Dorf gezogen und habe eine Menge spanischer Flaggen gekauft, damit wir hier alle ordentlich ausgestattet sind. In Deutschland gibt es ja keine“, sagt sie.

„Möge der bessere Mannschaft gewinnen“, sagt Juan Trivinio Arroyo abschließend und lacht. Lokalsport

Von Judith Strecker und Rainer Henkel

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