Wochenendporträt: Kerstin Diebel besucht als Klinik-Clown „Tini“ die Kinder

Tröster und Spaßmacher

Lachen als Therapie. Kerstin Diebel setzt ihre Lebenserfahrung und all ihre Talente bei der Clowns-Visite ein. Foto: Schmidl

Bad Hersfeld. Vorsichtig öffnet Kerstin Diebel die Zimmertür. Sie möchte nicht stören, sondern den kranken Kindern und Jugendlichen, die in stationärer Behandlung sind, den Klinikalltag auf den beiden Kinderstationen des Klinikums Bad Hersfeld etwas bunter und abwechslungsreicher gestalten.

Mit ihren farbenfrohen Klamotten, der lustigen roten Nase und ihrem fröhlichen Lachen gewinnt sie schnell die Herzen der Patienten. „Ich habe kein festes Konzept und ziehe auch kein Programm durch, sondern passe mich dem Kind an und improvisiere aus dem Moment heraus“, erzählt die junge Frau.

Berufserfahrung hilfreich

Da kommt ihr die Ausbildung und ihre Berufserfahrung als Erzieherin natürlich sehr entgegen. Nach mehreren Vertretungsstellen in der Region arbeitete sie zweieinhalb Jahre lang als pädagogische Leiterin in einem bilingualen Kindergarten mit angeschlossenem Hort in Wien und hat dort auch ihre kreative Seite ausgelebt.

Mit den von ihr betreuten Kindern studierte sie Theaterstücke ein, davon eines aus eigener Feder. Die Liebe zum Theater und zur Musik hat sie aber schon aus ihrer Heimatstadt Bad Hersfeld mit nach Österreich genommen. Bereits ab dem fünften Lebensjahr sang sie im Kinder- und Jugendchor der Hersfelder Kantorei, in verschiedenen Schulchören und verstärkte den Konzert- und Festspielchor des Chorvereins.

Bei den Festspielen stand sie jahrelang als Statistin auf der Bühne. Mit ihrer Lebenserfahrung und ihrem Einfühlungsvermögen spürt sie sehr schnell, wie die Kinder und Jugendlichen drauf sind. „Manche Kinder erzählen mir von ihrer Erkrankung, ihren Sorgen und Nöten, da sind Späße und Gags überhaupt nicht angebracht“, berichtet sie. Andere, vor allem die Kleineren, freuen sich über tanzende Seifenblasen und bunte Luftballons im Krankenzimmer.

Kerstin Diebel hat all diese Utensilien in ihrer grünen Umhängetasche dabei, die auch noch Ausmalbilder und die „Killekitzelraupe“ als optischen Anreiz für die Allerkleinsten beherbergt.

Vor ihrer Clown-Visite informiert sich „Tini“ im Schwesternzimmer über die Belegung, das Alter und das Befinden der Kinder. Ab einem bestimmten Alter ist es schwieriger, ins Gespräch zu kommen, aber mit den richtigen Themen erreicht sie auch die Jugendlichen. Für Kinder, die länger oder immer wieder stationär behandelt werden müssen, ist der Klinik-Clown ein Freund, Begleiter und Tröster. „Tini“ kann sich dann besonders gut auf die Wünsche der Mädchen und Jungen einstellen. Sie spielt, tanzt und singt mit ihnen und freut sich, wenn sie den kleinen Patienten ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann.

Kerstin Diebel wurde während ihrer Ausbildung von dem Hollywood-Film über „Patch Adams“, dem geistigen Vater der Humormedizin, zu ihrer Tätigkeit als Klinik-Clown animiert und hat vor ihrer Zeit in Wien im Klinikum Bad Hersfeld schon erste Erfahrungen gesammelt. Seit einem Jahr ist sie wieder als Klinik-Clown aktiv. Ihr Ansprechpartner ist Dr. med. (syr.) Chiath Shamdeen, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin.

Traumberuf Schauspielerin

Beruflich geht die junge Frau, die das soziale Engagement „mit der Muttermilch mitbekommen hat“, inzwischen neue Wege. Vor einigen Monaten begann ihre dreieinhalb Jahre dauernde Ausbildung an der Schauspielschule Kassel. Aber auch im neuen Jahr lässt sie Kinderherzen höher schlagen, wenn sie an die Tür klopft und fragt: „Darf ich reinkommen? Ich bin der Clown und komme jeden Samstag“.

Von Gudrun Schmidl

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