Matthias Muche gibt das Kommando für „Wilhelm Tell“

Trend-Instrument

Größenvergleich: Muche ist 1,98 Meter groß. Sein Alphorn mit vier Metern doppelt so lang. Foto: Broy

Bad Hersfeld. Matthias Muche bedient in Lederhose und mit Alphorn im Gepäck zumindest optisch das Klischee eines Schweizers. Statt Kräuterbonbons zu lutschen und sich eine Kräuterlimonade zu genehmigen, greift der Kölner nach seinen Auftritten bei „Wilhelm Tell“ aber viel lieber zu einem kühlen Bier. Mit dem Alphorn gehört er zur Kapelle des Ensembles. Mit mehren Solos kündigt er die Szenen an, in denen Wilhelm Tell, der Schweizer Freiheitskämpfer, die Bühne betritt.

„Eigentlich bin ich Berufs-Posaunist“, erzählt Muche, der in Amsterdam Jazz-Posaune studierte hat. Die Anblastechnik der beiden Instrumente ähnele sich, daher habe er für den Job am Alphorn zugesagt.

„Außerdem mag ich Experimente. Ich habe mal bei einer Tuba an jedes Ventil einen Schlauch angeschlossen und damit gespielt. Das ist dann quasi eine Tuba mit drei eingebauten Alphörnern. Dagegen ist das Original eine Erleichterung“, erklärt der 38-Jährige.

Preise sind gestiegen

Die Herausforderung sei, dass „so ein Alphorn ein Eigenleben hat, da kommt schon mal ein ganz anderer Ton raus als gedacht, und es kiekst merkwürdig.“

Für die Auftritte in der Stiftsruine sollte Muche ein Leih-Instrument bekommen. Er entschied sich für ein Eigenes und erkundigte sich in der Schweiz nach den Kosten: „Dort meinten die Verkäufer, ich hätte mal vor fünf Jahren kommen sollen. Alphörner seien gerade im Trend und die Preise dementsprechend hoch.“

Fündig geworden ist der Vollblutmusiker dann bei einer deutschen Firma. 1500 Euro hat er für sein Alphorn bezahlt, bis zu 4000 Euro kann die Anfertigung kosten.

Schweizer Berge zu hoch

Muches zweijähriger Sohn scheint ebenfalls musikalisches Talent zu besitzen. „Neulich hat er es geschafft, einen lauten Ton aus dem Alphorn Ton zu kriegen“, erzählt Muche und schnaubt mit den Lippen. „So macht er jetzt, wenn ich ihm tschüss sage, um zur Arbeit zu fahren.“

In seiner Freizeit fährt Muche am Liebsten mit seinem Mountainbike durch die Gegend. „Nur nicht durch die Schweizer Berge. „Die sind mir nämlich zu hoch“, gibt er zu. „Meine Frau ist Sporttherapeutin, da ist es ohnehin schwer genug, hinterher zu kommen.“

In einem Punkt kann er sich dann doch noch mit der Schweiz anfreunden. „Die Lederhose, die ich während der Aufführungen trage, gefällt mir. Und die Weste ist auch in Ordnung.“

Von Sonja Broy

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