Seit 65 Jahren sind Maria und Franz Klüber ein glückliches Paar

Trauung in der Notzeit

Im 2. Weltkrieg haben sie sich kennengelernt, im Leben waren sie immer füreinander da und heute feiern sie in ihrer Kirche und im Pfarrheim Eiserne Hochzeit: Maria und Franz Klüber. Foto: Apel

Bad Hersfeld. Mit einem Dankgottesdienst feiern Franz und Maria Klüber, geborene Klein, heute ihre Eiserne Hochzeit. „Wir haben viele Schutzengel gehabt!“, erzählen sie, und man glaubt es ihnen, wenn man hört, wie sich ihr Weg bis zum Traualtar gestaltete.

Maria wurde am 30. Mai 1922 in der Nähe von Passau im oberösterreichischen Grenzdorf Oberkappel geboren. Nach dem Besuch der Volksschule zog sie ins bayerische Amberg, wo sie erst noch ein Jahr „nachlernen“ musste, ehe sie 1936 eine Ausbildung als Büroangestellte bei der Standortkommandantur beginnen konnte. Der Krieg verschlug sie in die heute westukrainische Stadt Tarnopol, wo sie in einer großen Kraftfahrzeugdienststelle der Wehrmacht ihren Ehemann kennenlernte, der dort als Adjutant des Chefs eingesetzt war.

Franz stammte aus Hilders in der Rhön, wo er am 13. Dezember 1922 das Licht der Welt erblickte – ohne je seinen Vater kennenzulernen, denn der war damals schon tödlich im Wald verunglückt. Später wohnte der Ehejubilar mit seiner Mutter in Fulda, wo er das „Einjährige“ machte und eine Vermessungsinspektorenausbildung begann. Kriegsbedingt verlief diese jedoch anders als geplant, und dass er „bestanden“ hatte, erfuhr er per Urkunde als Soldat in Russland.

Steckschuss

1944 wurde das Lager Tarnopol aufgelöst. Für Maria hieß das im Güterzug zurück nach Amberg, für Franz ab nach Ostpreußen, wo er in den Abwehrkämpfen einen Kniegelenkssteckschuss erlitt. Ursprünglich sollte sein rechtes Bein amputiert werden, aber die Ärzte konnten es erfolgreich „steif stellen“. Auf diese Art und Weise gerettet schlug er sich mit einer Gipshülse bis nach Amberg durch, und gemeinsam mit Maria rettete er sich von dort aus nach Oberkappel. Auf dem Weg dorthin überstanden beide Tieffliegerangriffe und wie durch ein Wunder, in einem Eisenbahnwaggon auf den Gleisen stehend, den großen Bombenangriff auf Schwandorf.

Nachdem er dann noch in russische und amerikanische Kriegsgefangenschaft geraten und aus dem Lager Regensburg freigekommen war, machte sich Franz mit seiner Maria auf den Heimweg nach Fulda, wo die Österreicherin aber weder an Geld noch an Lebensmittelkarten kam.

„Da haben wir dann ganz schnell geheiratet“, erzählen die beiden, „es brauchte doch einer den anderen!“ Sie trat in einem geliehenen Brautkleid vor den Altar, er gerade operiert und mit Unterarmkrücke. Zwei Töchter wurden dem Paar geschenkt. Die eine lebt heute in Südafrika, die andere mit Schwiegersohn und zwei Enkeltöchtern bei Freiburg.

Als begeisterter Motorradfahrer war Franz Klüber für das Fuldaer Katasteramt lange Jahre mit einer eigens für ihn umgebauten 500er BMW unterwegs. Von 1967 bis 1984 war er als geschäftsleitender Bürobeamter beim Bad Hersfelder Amt tätig, zuletzt als Technischer Oberamtsrat. In der ihm zur Heimat gewordenen Lullusstadt engagierte sich der leidenschaftliche Fotograf und Jäger unter anderem als Vorsitzender des Kreisjagdvereins und als Mitglied des Pfarrgemeinderats der Kirche „Zu den heiligen Aposteln“. Für diese war auch Ehefrau Maria immer gerne im Einsatz, vor allem dann, wenn es darum ging, Kaffee für die Senioren zu kochen.

Über alles reden

Auf das Geheimnis ihrer langen und glücklichen Ehe angesprochen, ist sich das jung gebliebene Jubelpaar schnell einig: „Wir haben immer über alles geredet und dann alles gemeinsam gemacht!“ Und der „eiserne Franz“ fügt schmunzelnd hinzu: „Und wenn wir uns mal gestritten haben, dann war die Versöhnung danach das Schönste!“

Von Wilfried Apel

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