Gesamtnote 1,1: Manuel Roos aus Rotensee ist Hessens bester Junglandwirt

Traum seit Kinderzeit

Wer Landwirt ist, kann nicht nur Traktor fahren: Manuel Roos mit einem der Kälbchen auf dem Hof von Patenonkel Heiner Sunkel in Reilos. Foto Hornickel

Reilos. Er hat keinen Hof, keinen Traktor und nicht einmal eine Kuh – dennoch ist der 22-jährige Manuel Roos Hessens bester Junglandwirt. Die Prüfung im vergangenen Jahr absolvierte der junge Haunecker mit der Gesamtnote 1,1.

Auf diesem Erfolg ruht sich der erfolgreiche Landwirtschafts-Geselle nicht aus. Weil Ackerbau und Grünland gerade ruhen, besucht Manuel Roos momentan schon wieder die einjährige Fachschule in Alsfeld. Das ist eine weitere Etappe auf seinem nächsten Ziel: Er will die Prüfung zum Landwirtschaftstechniker machen und sich als Betriebswirt das Rüstzeug zulegen, um irgendwann einmal den Milchviehbetrieb seines Patenonkels Heiner Sunkel in Reilos zu übernehmen. Auf dem Hof hilft Manuel Roos schon täglich mit, wenn er nicht gerade Schule macht.

„Ich hab’ die Landwirtschaft immer als Berufung gesehen“, sagt der 22-Jährige, der sich von der schwierigen Lage der Landwirtschaft im hessischen Mittelgebirge ebenso wenig abschrecken ließ wie von den ernsten Bedenken der Mutter Elke. „Du kannst dein Geld auch einfacher verdienen“, hatte die Mutter gemahnt. Auch Vater Gottfried, der beim Maschinenbau-Unternehmen Grenzebach in Bad Hersfeld arbeitet, habe geraten, den Entschluss gut zu überlegen. Steine legten ihm die Eltern aber beide nicht in den Weg.

Manuel ist der Garant dafür, dass der Vollerwerbsbetrieb der Familie Sunkel, die in Ludwigsau 190 Hektar Wiesen und Äcker bewirtschaftet und 90 Kühe melkt, eine Zukunft hat und bäuerliche Familientradition weitergeht. Pate Heiner und Onkel Hans-Peter haben keine Kinder.

In Sorge um seine Zukunft ist Manuel Roos nicht. „Wir werden sehen, was agrarpolitisch passiert.“ Zuerst will er seine Ausbildung abschließen. Die Betriebsübernahme ist momentan noch kein Thema. Jedoch sieht der Junglandwirt gute Chancen für den Hof, der sich der „fairen Milch“ verschrieben hat und ein breites Sortiment von Getreide anbaut. Gerste, Weizen, Raps, Triticale (eine Mischung aus Roggen und Weizen) sowie Ackerbohnen setzen die Sunkels dem Trend zu überbordenden Mais-Monokulturen entgegen. Die Sunkels beschäftigen einen Betriebswirt. So hat Manuel Zeit fürs Lernen.

Dennoch ist es für ihn Ehrensache, dass er morgens um 5.30 Uhr eine Kleinigkeit isst, die Kühe melkt und füttert und dann in Ruhe frühstückt.

Wenn der Junglandwirt nicht für die Schule büffelt, dann werden schon die Messerbalken für den Schnitt des Silograses geschärft oder die Ladewagen flott gemacht. Manuel kann nicht nur Traktor fahren oder einen Mähdrescher steuern, sondern auch warten und reparieren.

Von Kurt Hornickel

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