Bad Hersfelder Festspiele: Heute Premiere für Sommernachts-Träumereien im Park

Traum oder Wirklichkeit?

Mensch oder Tier, Esel oder Mann: Um Träume und Wirklichkeit, Liebe und Leidenschaft, Wahrheit und Trugbilder geht es in den Sommernachts-Träumereien, die heute Abend im Park neben der Stiftsruine Premiere haben. Unser Bild zeigt eine Szene mit Geraldine Diallo als Titania und André Eisermann als Zettel. Foto: Klaus Lefebvre

Bad Hersfeld. Ist dieser Mann der Richtige für mich? Will ich mit dieser Frau mein Leben verbringen? Was ist überhaupt Liebe und wie finden Menschen zueinander? In der Nacht vor der Hochzeit des Fürsten Theseus mit Hippolyta geht es heiß her. In ihren Träumen jagen Hippolyta und Theseus durch einen Wald aus Wünschen, Ängsten und dunklen Begierden.

Und sie sind nicht die einzigen, die in dieser Nacht im Wald unterwegs sind. Da ist die muntere Handwerkertruppe, die auf der Hochzeit ein Theaterstück spielen wollen, da ist Hermia, die Demetrius zum Mann nehmen soll, aber eigentlich Lysander liebt. Und Helena, Hermias Freundin, die ihr Herz an Demetrius verloren hat.

Fabelwesen im Sommerwald

Außerdem wird der Wald von allerlei Fabelwesen bevölkert, dem Elfenkönig Oberon und der Feenkönigin Titania mit ihrem Gefolge. Die streiten sich sich nur darum, wer ein Waisenkind unter seine Obhut nehmen darf, sondern werfen sich auch noch gegenseitig Untreue vor – nicht ganz zu Unrecht, wie sich herausstellt.

In dieser Situation sorgt der Kobold Puck auf Oberons Befehl für ordentlich Verwirrung, indem er einen Liebeszauber verteilt, der bei den Betroffenen leidenschaftliche Gefühle für das erste Wesen, das ihnen begegnet, auslöst – eine wahrhaft heiße Sommernacht also, die die Zuschauer hier miterleben dürfen.

Shakespeares Komödie ist nur die Basis für Joern Hinkels Sommernachts-Träumereien. Der Regisseur und künstlerische Leiter der Festspiele hat eine eigene Fassung des Stücks entwickelt, gemeinsam mit seinen Darstellern. Das Ensemble aus professionellen Schauspielerinnen und Schauspielern wird ergänzt durch 47 Menschen aus der Region im Altern zwischen 10 und 80 Jahren. Sie arbeiten schon seit Monaten an dem Stück, sie haben sich intensiv mit den Fragen, wer wen warum liebt, wie Paare zusammenkommen und wie Traum und Wirklichkeit zusammenpassen auseinandergesetzt – und sie haben natürlich sehr viel gelernt über Schauspielkunst, Sprechtechnik und Körpersprache. Umgekehrt haben sie mit ihrer Unmittelbarkeit und ihrem ungekünstelten Spiel die Profis herausgefordert.

Bei Tageslicht im Freien

Das Ergebnis dieser spannenden Probenarbeit gibt es nun ab heute Abend zu erleben. Bei Tageslicht, wie zu Shakespeares Zeiten, als es noch keine elektrische Bühnenbeleuchtung gab, und im Freien im Park neben der Stiftsruine, so wie die Menschen es früher erlebten, wenn die Gaukler in die Stadt kamen – ganz dicht dran am Geschehen.

Von Christine Zacharias

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