Bad Hersfelder Festspiele 2011: Uwe Schmieder kommt wieder und nimmt Abschied

Trauerarbeit für Berlin

Uwe Schmieder: Bei den Festspielen wird er Kraft schöpfen für seinen Abschied aus Berlin. Foto: Schönholtz

Berlin/Bad Hersfeld. „Der Winter ist zurückgekommen“, sagt Uwe Schmieder beim Betreten des Café Dressler am Kudamm und bestellt eine Tasse heißen Kaffee zum Aufwärmen. Der kalte Apriltag in der Hauptstadt weckt bei dem seit 22 Jahren in Berlin lebenden Schauspieler Erinnerungen an die Zeit vor einem Jahr: Da war er in Bad Hersfeld, bei vorgezogenen Proben für die Festspiel-Inszenierung der „Sommergäste“ und musste bei zwölf Grad Außentemperatur baden gehen – im Freien.

Vor Kälte gezittert

Wesentlicher Bestandteil des Bühnenbildes war nämlich ein Swimmingpool, in dem sich die Darsteller gleich zu Beginn jeder Aufführung bei munteren Wasserspielen tummeln mussten. „Der Pool war normalerweise auf 28 Grad hoch geheizt, doch wenn es vorher geregnet hatte, war’s arschkalt,“ erzählt Schmieder. Einmal habe er vor Kälte gezittert, aber so spielen müssen, als ob er den Sonnenschein genieße. „Wir hatten trotzdem viel Spaß“, sagt der gebürtige Bautzener, der nur freundlich an den Festspielsommer zurückdenkt und deswegen in diesem Jahr gerne zurückkehrt.

Berlin sei schon wegen seiner Größe eine anonyme Stadt, sagt Schmieder, der an Bad Hersfeld die Nähe zum Publikum schätzen lernte. „Ich habe meinen Eltern nach der Premiere die Stadt gezeigt, und besonders für meine Mutter war es ein Erlebnis, dass die Leute mich erkannt und über mich getuschelt haben.“

Auch dass man ihn immer noch auf seine zweite Hersfeld-Rolle, den Maitre Bridaine in der Eichhof-Komödie „Man spielt nicht mit der Liebe“ anspricht, freut ihn aufrichtig. Sein gelangweiltes „Na toll!“, das Glöckchen und die unter der Kutte versteckten Arme – das haben die Zuschauer nicht vergessen, obwohl man den Schauspieler Schmieder im Kostüm kaum erkannte.

Die Diskussion um den mangelnden Zuschauerzuspruch für die „Sommergäste“ konnte Schmieder nicht so recht nachvollziehen. „Es ist natürlich toll, wenn das Haus voll ist. Aber 600 Leute sind auch eine ganze Menge, das wird unterschätzt,“ sagt er und bricht damit eine Lanze für das anspruchsvolle, etwas ambitioniertere Theater, das nicht alleine dem Massengeschmack folgt. Schmieder, der in Berlin hauptsächlich in der freien Theaterszene gearbeitet hat, hat andere Maßstäbe. „Ich bin da nicht verwöhnt,“ sagt er, „denn ich habe auch schon vor fünf, sechs Leuten gespielt.“

Bei den Festspielen 2011 werden es statt sechs eher 1600 Zuschauer sein, die ihn als Venantius von Selvemec in „Der Name der Rose“ auf der Bühne der Stiftsruine erleben werden. Dass Holk Freytags Inszenierung des Kloster-Krimis fast schon ausverkauft ist, hat sich auch bis in die Hauptstadt herumgesprochen.

Über seine Rolle weiß Schmieder jedoch noch gar nichts. „Aber es wird bestimmt spannend und ein Riesen-Spektakel“, ist er sich sicher. Als Kontrastprogramm tritt er noch im Kriegsheimkehrer-Stück „Draußen vor der Tür“ in der Schilde-Halle auf. Hier wird er ebenfalls vor vollem Haus spielen.

Kraft schöpfen

Der Sommer in Bad Hersfeld wird ihm auch dazu dienen, Kraft zu schöpfen. Denn nach zwei Jahrzehnten an der Spree beginnt er ein festes Engagement in Dortmund. „Deswegen mache ich zur Zeit Trauerarbeit für Berlin,“ sagt Schmieder, der hier nach den Festspielen nur noch seine Sachen packen und umziehen wird.

Dass er die Hauptstadt überhaupt verlässt – das hat auch mit Bad Hersfeld zu tun. Kay Voges, sein Regisseur vom Eichhof im vergangenen Jahr, ist Schauspieldirektor in Dortmund. Und der hat Schmieder eines Tages angerufen und in sein Ensemble geholt.

Info: „Der Name der Rose“, Stiftsruine, ab 25. Juni. „Draußen vor der Tür“, Schilde-Halle, ab 21. Juli. Ticket-Service, Am Markt 1, 36251 Bad Hersfeld, Telefon 06621/201360, www.bad-hersfelder-festspiele.de

Von Karl Schönholtz

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