Selbsthilfeverein „verwitwet.de“ bietet hinterbliebenen Partnern Halt und Hilfe

Mit der Trauer nicht alleine

Trauern um den Partner: Waltraut Weiß ist für junge Witwen und Witwer und deren Kinder Ansprechpartnerin vor Ort. Auch das Online-Forum „verwitwet.de“ bietet den Hinterbliebenen die Möglichkeit, sich gedanklich auszutauschen. Foto: Schmidl

Bad Hersfeld. „Nur wenn ich mich gefestigt fühle, kann ich auch helfen“, bekräftigt Waltraut Weiß ihren Anspruch an sich als ausgebildete Trauerbegleiterin und Vorsitzende der Ortsgruppe Bad Hersfeld des 2001 gegründeten bundesweiten Selbsthilfevereins „verwitwet.de“.

Gerade einmal 46 Jahre alt war Waltraut Weiß, als ihr ein Jahr älterer Mann im Jahr 2002 nach langer Krankheit, aber trotzdem völlig unerwartet starb. Wie viele Betroffene stand sie nicht nur mit ihren Kindern, sondern auch mit ihrer Trauer alleine da.

Thema, das Angst auslöst

„In unserer Gesellschaft sind die Themen Tod und Sterben weitgehend verbannt“, stellt Weiß heute fest. „Wir tun alles, um uns nicht damit befassen zu müssen, da sie uns Angst machen“.

Das erfuhr die junge Witwe schmerzlich, für die Sprüche wie „Du bist doch jung, du findest bald einen anderen Mann“ oder „Das Leben geht weiter“ keinerlei Trost bedeuteten. Im Gegenteil. Ein Jahr nach dem schweren Schicksalsschlag fand sie die Kraft, mithilfe des Vereins in Bad Hersfeld eine von 35 Ortsgruppen in Deutschland zu gründen.

Dreißig Hinterbliebene treffen sich aktuell regelmäßig im evangelischen Gemeindezentrum auf dem Johannesberg, um den Abschied und diese Endgültigkeit gemeinsam auszuhalten. Sie helfen sich bei emotionalen und organisatorischen Problemen und unterstützen sich gegenseitig bei der schwierigen Bewältigung des Alltags, stehen sich mit Rat und Tat zur Seite bei rechtlichen Problemen und im Umgang mit Behörden. Es wird aber auch gelacht, Freizeit und Ausflüge werden geplant und Treffen mit den Kindern organisiert.

Existenzängste und fehlende oder abgebrochene soziale Kontakte belasten die Witwen und Witwer während ihrer Trauerarbeit zusätzlich. Auf das „Nicht-Wahrhaben-Wollen“ und der Verleugnung des Todes folgen der volle Schmerz und die Verzweiflung über das Geschehene. Danach beginnt die langsame Neuorientierung. Die Trauerarbeit ist beendet, wenn der Hinterbliebene zu einem neuen körperlichen und seelischen Gleichgewicht gelangt.

Momente der Freude

„Das sind Momente, in denen ich mich freue“, erzählt Waltraut Weiß und ergänzt: „Menschen, die die Gruppe eigentlich nicht mehr brauchen, verlassen diese trotzdem nicht, sondern unterstützen andere in ihrer Trauer“.

Inzwischen hat Waltraut Weiß einen ebenfalls verwitweten Lebenspartner an ihrer Seite, betont aber: „Mit einem neuen Partner ist nicht alles gut, es ist anders. Die Trauer um die verstorbenen Ehepartner ist immer noch da. Sie ist in unser Leben integriert.“

Viel Zeit und Kraft verwendet die Ortsgruppenvorsitzende für die Begleitung verwaister Kinder und Jugendlicher mit einfühlsamen Gesprächen, in der sie eigene Erfahrungen mit ihren trauernden Söhnen einfließen lassen kann.

Von Gudrun Schmidl

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